Alltag auf vier Rädern

18. September 2019

Wir werden vor allem aus dem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder gefragt, wie das denn eigentlich so mit der Logistik in Fred ist: Könnt ihr denn da auch Duschen? Wie ist das mit dem Klo? Habt ihr genügend Strom? Kocht ihr richtig oder gibt’s nur was aus der Dose? Wie macht ihr das mit dem Internet? Und kann man sich eigentlich überall einfach so hinstellen?

Die kurze Antwort lautet: Grundsätzlich ist unser Leben im Lkw gar nicht so viel anders als unser altes Leben in der Wohnung. Wir sind natürlich nicht mehr an einem festen Ort, unser Lebensraum hat sich von 110qm auf 11qm reduziert, aber wir haben hier – zumindest aus unserer Sicht – den gleichen Komfort wie früher zu Hause, nur komprimierter. Aber natürlich funktionieren in einem Zuhause auf vier Rädern manche Dinge anders als in einer Wohnung oder einem Haus.

Gas, Wasser, Scheiße. – was mutt, datt mutt

Damit kommen wir zur längeren Antwort! Fangen wir mal mit den klassischen Klempner-Disziplinen an: Ja, wir haben eine Dusche und das Wasser kommt bei uns aus dem Hahn – aber eben nicht aus einer angeschlossenen Wasserleitung, sondern aus dem Wassertank. Mit 450 Litern Frischwasser sind wir aus unserer Sicht super aufgestellt – in Manni hatten wir mit 150 Litern gerade mal ein Drittel davon und im Landy gab’s nur einen 20 Liter Kanister. Damit können wir ganz normal Duschen, Haare waschen, Zähne putzen etc. – auch mit warmen Wasser! Allerdings gehen wir mit der Ressource „Wasser“ deutlich bewusster um (was man ja generell tun sollte), sprich: Wenn man nicht dauernd neues Wasser bunkern will, verbietet sich Dauer-Duschen von selbst, genauso wie natürlich das Laufenlassen des Wassers während des Einseifens. Und man wundert sich, mit wie wenig Wasser man trotzdem sauber wird ;-) Duschen als ausgiebiges Wellness-Erlebnis entfällt damit allerdings – ist dann aber umso toller, wenn man es mal bei Freunden oder auf einem Stellplatz machen kann.

Ein Klo gibt’s bei uns auch, genauer gesagt eine Trockentrenntoilette. Über deren Funktionsweise und Varianten gibt es im Netz schon so viele Artikel, dass wir uns eine weitere Detail-Ausführung dazu sparen. Für alle Menschen, die das Wort noch nie gehört haben: Wie der Name schon vermuten lässt, werden hier Fest- und Flüssigstoffe getrennt, was die Entsorgung aus unserer Sicht genial einfach macht, weil die Feststoffe einfach in einem Sack in den Hausmüll bzw. die Mülltonne gehen können (und bei uns die Flüssigstoffe in den Abwassertank gepumpt werden und später darüber entsorgt werden). Kein Vergleich zur „Schwipp-schwapp-Toilette“ in Manni (die wir nur im Notfall benutzt haben) und außerdem ganz ohne Chemie! Also alles wie zu Hause auf dem stillen Örtchen, mit einem für Besucher und auch für uns am Anfang ungewohnten Umstand: Es gibt keine Klospülung – und nein, es stinkt nicht! – was sich wiederum positiv auf den Wasserverbrauch insgesamt auswirkt.

Fehlt noch Gas: Das benutzen wir zum Heizen und zum Kochen. Wir haben eine Staukiste für zwei 11kg Flaschen und die Option, noch eine weitere 11kg Flasche mitzunehmen, da die Wiederbefüllung aufgrund unterschiedlicher Adapter in manchen Ländern etwas problematisch sein kann. Bislang sind wir damit – selbst im sehr frischen norwegischen Sommer – dicke ausgekommen. Unsere Heizung ist eine Truma-Luft-Standheizung, bei der man die gewünschte Temperaturstufe einfach über einen Thermostat einstellt – und ab geht’s. Innerhalb von 10 Minuten ist es muckelig warm bei uns, auch bei starken Minusgraden draußen – und dank guter Isolation bleibt die Wärme auch drinnen. In der Küche haben wir einen 3-flammigen Gasherd plus Backofen, damit kann man wirklich alles machen – und es gibt natürlich auch noch jederzeit die Außenküchen-Option mit Grill und Dutch Oven.

Strom aus der Dose – aber umsonst

Strom gibt’s auch – ohne wäre es mit dem Arbeiten auch schwierig, da Laptop und Handy ständig geladen werden wollen. Gleiches gilt für Musikboxen, Akkus usw. Wir haben in Fred jede Menge Steckdosen, aus denen Dank Wechselregler ganz normal 220 V kommen. Aber: Wir brauchen keinen Vertrag mit einem Stromanbieter, sondern unser Strom ist umsonst: Er wird über drei Solarpanele (600 wP) auf dem Dach generiert und in unsere Batterien geleitet. Diese sind im Normalfall immer gut gefüllt – selbst wenn wir mal den Boiler für warmes Wasser zum Duschen anwerfen, dauert es an einem guten Sonnentag gerade mal eine Stunde, bis sie wieder zu 100% geladen sind. Und für den Notfall oder Wintertage mit kaum Sonne haben wir noch einen Moppel (sprich: Generator), der mit Benzin betrieben wird und dann unsere Batterien laden kann. Auch unser Kompressorkühlschrank hängt mit an unserem Stromnetz, genauso wie unsere diversen LED-Lampen, die ganz normal über Schalter/Dimmer laufen.

Kochen, braten, backen – Hauptsache lecker!

So viel zur technischen Infrastruktur, kommen wir zum Kulinarischen: Wir haben in unserer Wohnung viel gekocht und tun das auch in Fred – sogar noch mehr, weil wir mit unserer Präferenz für eher einsame Stellplätze automatisch Selbstkocher sind. Mit dem schon erwähnten Herd und Backofen können wir wirklich alles machen – ich habe hier auch schon mehrere Gänge für bis zu sechs Leute gekocht. Gegessen wird bei uns von ganz normalem Geschirr, gut verstaut hat es bislang auch alle Rumpelpisten heil überstanden. Und dank Kühlschrank, Kühlbox und viel Stauraum sind wir auch bestens mit (frischen) Zutaten bevorratet. Und zusätzlich gibt’s auch mal einen angelfrischen Fisch, frisch gepflückte Brombeeren, Fliederbeeren oder Blaubeeren – und manchmal auch selbstgefundene Pilze (wobei wir an unserer Pilzkunde noch arbeiten müssen).

Und weil Essen & Trinken bei uns schon eine ziemlich wichtige Rolle spielt, wird es in Kürze auch die Rubrik „Kombüse“ auf dieser Webseite geben, um ein bißchen Einblicke (und vielleicht ja auch Inspiration) in die Truck-Küche zu bieten.

Always on – bislang kein Problem

Haben wir auch Netz? Für uns eine sehr essentielle Frage, da wir ja beide ganz normal weiterarbeiten, nur eben nicht mehr im Home Office, sondern jetzt in Fred. Inzwischen sind wir seit fast sieben Monaten Vollzeit-Trucklifer und hatten noch keine wirklichen Probleme, online zu kommen (und wenn, dann in Deutschland!). In Skandinavien war es überall möglich, auch an wirklich einsamen Plätzen im hohen Norden – und oft auch über FreeWifi im Supermarkt. So viel zum Thema „Internet an jeder Milchkanne“, es gibt Länder, die kriegen das hin!

Damit können wir unsere Jobs als Grafik-Designer / Marketingberaterin bislang ganz normal weiter ausüben. Was wir allerdings schon gemerkt haben: Viel fahren in stressigen Jobzeiten funktioniert nicht so gut, für solche Phasen ist ein Standplatz mit Potenzial für mehrere Tage – heißt, nicht so viel Publikumsverkehr, verschiedene Optionen für die Hunderunde, nicht zu viel Schatten auf den Solarpanelen ;-) – definitiv empfehlenswert. Hat bislang fast immer geklappt, es gab aber auch schon den Fall, dass wir an einem nicht so idyllischen Platz unser Büro aufschlagen mussten, weil’s beim Kunden gerade brannte – aber das gehört eben auch zum Leben als digitale Nomaden!

Wie unser Arbeitsalltag als digitale Nomaden in Fred generell aussieht, beschreiben wir demnächst mal in einem eigenen Artikel.

Home is where you park it!

Womit wir abschließend beim Thema Stellplatz wären, bei dem es ja am Ende überspitzt immer auf die Frage „Frei stehen oder Campingplatz“ hinausläuft. Wir sind überzeugte „Frei-Steher“, einfach, weil wir die Einsamkeit und das Mitten-in-der-Natur-Sein sehr schätzen – man kann abends beim Lagerfeuer vor seinem Zuhause sitzen, grillen und den Sonnenuntergang genießen, um mal das perfekte Szenario zu beschreiben ;-) Klar, naturnahe Plätze haben auch noch anderes zu bieten: Moskito-Invasionen an skandinavischen Seen, ein plötzlich komplett verschlammter Untergrund mit ersten Flussläufen unterm Lkw nach Starkregen oder ein ohrenbetäubendes Froschkonzert die ganze Nacht – auch das gehört dazu!

Aber manchmal muss es dann doch ein bißchen mehr Infrastruktur – genauer gesagt, eine Waschmaschine – sein. Kleine Teile kann man ja problemlos mal per Hand waschen, bei Bettzeug und den großen Hundedecken ist das weniger praktikabel. Dafür haben wir uns bislang immer einen Stellplatz in einer Marina gesucht, die haben meist eine gute Infrastruktur, eine interessante Mischung aus Land- und Wasserreisenden und keine Dauercamper mit Gartenzwergen ;-) Wir denken allerdings darüber nach, uns für Fred noch eine Waschmaschine anzuschaffen – Platz genug haben wir ja – um auch diesen Punkt noch selber abdecken zu können.

Bei der Stellplatzsuche nutzen wir in der Regel eine Kombi aus den guten alten Papierkarten, Google Maps (vor allem die Satelliten-Ansicht) und Navigationsgerät – gerade in dichterbesiedelten Regionen schauen wir aber auch auf Apps wie park4night nach potenziellen Nachtplätzen. Und ein bißchen Glück und Intuition können manchmal auch nicht schaden.

Und auch in einer Großstadt wie Hamburg funktioniert es mit den Stellplätzen erstaunlich gut. Man könnte sich einen Bezahlplatz suchen, wir nutzen allerdings ganz normale Parkstreifen in Gewerbegebieten. Da fällt Fred zwischen den anderen Lkws nicht groß auf und nachts ist es total ruhig. Hat sich zum Auftakt unseres neuen Lebens bewährt und auch jetzt werden wir das bei unserem Zwischenstopp in Hamburg wieder so machen, um dann von dort aus Arzttermine für uns und den Hund, Besuche bei Freunden und Familie und auch Job-Termine wahrzunehmen. Und dann freuen wir uns umso mehr, wenn’s wieder raus in die Natur geht.

So viel zum logistischen Exkurs durch unser Trucklife – alles kein Hexenwerk, am Ende ist es wie bei so vielen Dingen im Leben: Einfach machen!

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