Sorry! Google hat hier übersetzt:-)
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Dieselpest in Atar

Dieselpest in Atar

Von Choum aus machen wir uns auf der Asphaltstraße auf den Weg Richtung Atar – sollte eigentlich unkompliziert sein, würde Fred nicht plötzlich Probleme machen. An den Steigungen des Adrar Massivs weist er aus dem Nichts einen drastischen Leistungsverlust auf und wir schaffen es nur im Kriechgang über die Passhöhe. Nachdem wir zum Glück noch bis Atar kommen, steuern wir dort erstmal einen Campingplatz an, um uns auf Fehlersuche zu begeben. Und – Achtung Spoiler – nach sechs arbeitsreichen Tagen mit einigen Höhen und Tiefen rollt Fred dann wieder.

Karte der Strecke


Fred hat ein Problem!

Nachdem wir in Choum noch unsere Frischwassertanks aufgefüllt haben – und dabei von einem Bauern aus der Oase neben dem Wasserhahn frisches Gemüse geschenkt bekommen – rollen wir gemeinsam mit unseren italienischen Freunden Richtung Atar. Die Asphaltstraße ist in ziemlich gutem Zustand, lediglich die Furten durch Oueds erfordern immer wieder eine Reduzierung der Geschwindigkeit, da sich hier gerne fiese Schlaglöcher befinden.

Dieselpest in Atar

Langsam taucht am Horizont das Adrar Massiv auf, welches wir queren müssen. Wir haben kaum die erste Steigung genommen, als Fred deutlich an Fahrt verliert – so, als würde er keinen Diesel mehr bekommen. Da der aktuell genutzte Tank schon recht leer ist, hält Stefano kurz an und schaltet auf einen vollen Tank um. Aber auch damit geht es nicht so wirklich dynamischer voran, vielleicht haben wir beim leeren Tank schon Luft ins System gesogen? Sicherheitshalber kontrollieren wir auch noch den Separ-Filter, sieht aber alles unauffällig aus. Also schleichen wir im Kriechgang über das Massiv und bewundern, oben angekommen, den großartigen Ausblick.

Auf dem Camping in Atar

Bergab geht’s wieder besser, aber es gibt immer wieder Aussetzer beim Vortrieb. Gemeinsam mit unseren Freunden beschließen wir, in Atar erstmal einen Camping anzusteuern, um dort in Ruhe auf Fehlersuche zu gehen. Unser Weg führt uns durch kleine Ortschaften, bis wir schließlich am äußerst lebendigen Kreisverkehr in Atar ankommen. Hier füllen wir unsere Bargeldbestände an einem ATM auf, bevor es durch kleine Wohngassen zum Camping Inimi geht – für unsere großen Exmos gerade noch passierbar.

Zum Glück ist der Betreiber aktuell dabei, neben seinem zwar sehr lauschigen, aber engen Hauptplatz einen größeren Platz für Lkws aufzubauen – genau das richtige für uns. Den Nachmittag verbringen wir mit einem ersten Checkup: Luft aus dem System lassen, nach eventuellen Undichtigkeiten schauen (keine vorhanden) und Luftfilter reinigen. Abends gönnen wir uns gemeinsam mit Franca und Davide ein Dinner in der Auberge, das sehr lecker ist: Vorweg eine Gemüsesuppe, dann mauretanisches Couscous mit Hühnerschenkeln und Gemüse sowie als Abschluss frisches Obst.

Dieselpest in Atar

An dieser Stelle kurz die Anmerkung, dass die meisten Campingplätze in Mauretanien nichts mit dem zu tun haben, was man in Europa unter einem Campingplatz versteht – sprich: man sollte die Maßstäbe in punkto Hygiene und Ausstattung nicht zu hoch anlegen. Hock-Toiletten sind weit verbreitet, Mäuse in der Küche oder im Haus durchaus normal. Für uns kein Problem und in der Regel ist das angebotene Essen, das man bekommt, ausgesprochen lecker. Dazu gibt es hier auch noch heiße Duschen, was will man mehr! Aber bitte nur kurz Duschen, denn Wasser ist hier kostbar und nicht unendlich verfügbar. Deshalb sollte man auch die Wasservorräte im Exmo wann immer möglich, auffüllen und natürlich ebenfalls sparsam verwenden.

Open Air Werkstatt und ein Totalausfall

Am kommenden Tag steigen wir tiefer in die Fehlersuche ein, während unsere Freunde einen Ausflug zu Oase Azougi machen. Beim Brainstorming am Abend vorher ist uns noch eine Idee gekommen, wo das Problem liegen könnte: An der Vorförderpumpe. Diese ist bei Fred dafür zuständig, dass immer etwas mehr Diesel als notwendig im Kreislauf ist, um bei Abrufen erhöhter Leistung – beispielsweise an einer starken Steigung oder im Weichsand – sofort verfügbar zu sein. Eine kaputte Vorförderpumpe äußert sich durch abrupten und immer wieder auftretenden Leistungsabfall und einen unrunden Motorlauf: Genau das, was wir am Vortag bei Fred erlebt haben.

Also kippen wir wieder das Fahrerhaus und nehmen die Vorförderpumpe genauer unter die Lupe. Sie zeigt keinerlei Undichtigkeit und auch ihr Filter sieht recht unauffällig aus, lediglich kleine Verschmutzungen sind zu erkennen. Wir reinigen den Filter gründlich, setzen alles wieder zusammen und machen eine Testfahrt. Diese fällt nicht wirklich befriedigend aus – also beschließen wir, die Pumpe komplett auszutauschen, da wir sie als Ersatzteil dabeihaben. Gesagt, getan – wobei der Ausbau der Vorförderpumpe natürlich trotz Vorkehrungen nicht ohne eine gewisse Sauerei abgeht, die allerdings auf diesem Platz nicht so ins Auge fällt, da er ja noch im Baustellenstadium ist 😉

Und auf geht’s zur nächsten Probefahrt. Anfangs zieht Fred gut an und läuft quasi normal. Und dann fangen das Geholpere und der Leistungsverlust wieder an, dieses Mal geht der Motor allerdings zusätzlich mehrfach komplett aus. Kurz vorm Abbiegen auf die Gasse zum Campingplatz springt Fred dann nur nach vielen Versuchen nochmals an und wir schaffen es buchstäblich mit letzter Kraft zurück auf den Stellpatz. Dort erweist sich jeder weitere Startversuch als vergeblich…

Na toll, unsere Stimmung ist ziemlich getrübt und der Sonnenuntergang rückt auch näher – also Feierabend für heute. Um wenigstens etwas Erfreuliches zu haben, lassen wir uns nochmals zum Abendessen vom Camping bekochen. Den restlichen Abend verbringen wir mit dem Durchgehen der weiteren Optionen und möglichen Fehlerquellen.

Nach schlecht kommt ganz schlecht…

Ausgehend von unseren Überlegungen am Vorabend, beschließen wir am Folgetag, nun doch den Separ-Filter genauer unter die Lupe zu nehmen – auch wenn sein Schauglas unauffällig aussieht. Der Separ-Filter dient dazu, Verunreinigungen im Diesel frühzeitig zu erkennen (der ein oder andere wird sich vielleicht noch an unseren gepanschten Diesel in Spanien im letzten Jahr erinnern, wo wir plötzlich jede Menge Wasserablagerungen im Separ-Filter hatten…).

Das ist aktuell nicht der Fall, aber dafür zeigt sich nach Öffnen des Filtergehäuses ein übles Bild: Der Filter ist komplett mit schwarzen Ablagerungen verklebt! Das lässt nichts Gutes für den Inhalt der Tanks erwarten.

Im ersten Schritt tauschen wir den Separ-Filter aus und sicherheitshalber auch die beiden Dieselfilter im Motorraum. Da zeigt es sich wieder, wie wichtig es ist, so viel wie möglich an Ersatzteilen dabei zu haben. Nach den Erfahrungen vom letzten Jahr haben wir gleich mehrere Filtersätze dabei, denn wenn man erstmal Schiet im System hat, muss man mit mehrmaligem Filterwechsel rechnen. Ein Startversuch mit Diesel aus Tank 3 gelingt – das ist schon mal erfreulich, unterstützt aber auch unsere Vermutung mit dem Tanken von verseuchtem Diesel.

Eine erste Inspektion mit der Handykamera über die Revisionsöffnungen zeigt das Ausmaß unseres Problems: Am Boden des Tanks schweben lauter bohnengroße, schwarze Bubbles – in Tank 1 ziemlich viele, in Tank 2 einige und in Tank 3 keine. Da wir beim letzten großen Tankstopp in Marokko Tank 1 zu 100%, Tank 2 zu 30% und Tank 3 gar nicht befüllt hatten, ist nun klar: Wir haben uns verunreinigten Diesel reingetankt, vermutlich mit Dieselpest. Was für ein Sch…! Damit steht uns eine größere Aktion in Eigeninitiative bevor, denn eine MAN Werkstatt gibt es nur in der Hauptstadt, die ist aber gut 500 km entfernt.

Tankreinigung mit Bordmitteln

Die Entdeckung der vermeintlichen Dieselpest bedeutet, wir müssen die beiden befallenen Tanks komplett leer machen, reinigen und den Diesel filtern. Tank 1 hat noch knapp 100 Liter drin, Tank 2 über 300 Liter. Wie kriegt man auf einem Camping mal eben 400 Liter Diesel aus den Tanks – und vor allem, wohin damit? Unsere Rettung sind diverse 20 Liter Kanister, die der Campingbetreiber auf seinen 4×4 Wüstentouren hinten auf dem Pickup mitnimmt. Wir dürfen sie benutzten, um unseren Diesel aus den Tanks zwischenzulagern.

Um an die Ablassschraube von Tank 1 zu kommen, müssen wir zunächst den Protektor unterhalb der Tanks abbauen. Das Ding ist sackschwer, aber wir bauen uns mit Kanistern und Kanthölzern ein paar Böcke zum Ablegen. Dann kann das Geplätscher losgehen und wir ziehen die verbliebenen knapp 100 Liter aus Tank 1 auf fünf Kanister. Und schwupps, ist es auch schon wieder Abend.

An Tag vier nehmen wir dann den Ausbau von Tank 1 vor, dazu müssen natürlich auch sämtliche Verbindungen vom Tank gelöst werden. Auch hier bauen wir uns wieder ein Podest zum Rausholen, denn der Tank ist nicht nur schwer, sondern auch extrem unhandlich. Nach dem Ausbau können wir endlich das Saugrohr aus dem Tank ziehen – und was wir da sehen, ist sehr unerfreulich: Der Kopf vom Ansaugrohr ist komplett mit schleimigen Ablagerungen zugesetzt – da ging logischerweise kein Diesel mehr durch.

Das Reinigen des Saugkopfes ist mit Druckluft zügig erledigt – aber wie bekommen wir nun durch drei kleine Revisionsöffnungen, durch die noch nicht mal eine Hand geht, die schwarzen Bubbles aus dem Tank? Stefano hat eine geniale Mac Gyver Idee: Er baut mit einer leeren PET-Flasche und einem Schlauch ein Sauggerät, mit dessen Hilfe er die Bubbles aus dem Tank saugen kann. Und es funktioniert!!! Es ist zwar mühsam, zwischendurch müssen wir den Tank immer wieder mit etwas sauberem Diesel spülen und hin und her kippen, damit wir die kleinen Plagegeister wirklich alle erwischen – aber irgendwann ist es geschafft.

Nun kann Tank 1 wieder zurück an seinen Platz – ein Workout vom Feinsten. Anschließend bauen wir uns einen Filter aus dem oberen Teil einer PET-Flasche und legen ein Tuch hinein – und dadurch gießen wir die 100 Liter Diesel gefiltert wieder zurück in den Tank. Dank unseres Podests können wir dabei die Schwerkraft nutzen: Der volle Kanister steht oben und durch eine sogenannte Schüttelpumpe (ein Schlauch, der auf dem Prinzip der kommunizierenden Röhren funktioniert und an der Ansaugstelle ein Rückschlagventil hat) fließt der Diesel nach unten in den Tank. Erschöpft fallen wir abends ins Bett.

Am nächsten Tag wiederholen wir das gesamte Procedere mit Tank 2 – nur dass wir hier 300 Liter Diesel abpumpen müssen – und angesichts dieser Menge nicht die Ablassschraube am Boden des Tanks öffnen können, sondern die Schüttelpumpe benutzen müssen, was natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt. Da für diese Menge die Kanister vom Camping als Zwischenlager nicht ausreichen, füllen wir den Großteil um in Tank 1. Zum Glück ist der zweite Tank lange nicht so verunreinigt wie der erste, er hatte ja auch nur 30% von dem Schiet-Diesel. Entsprechend ist das Ansaugrohr nur etwas verklebt und auch die Bubbles sind deutlich weniger. Am Ende des Tages sitzt auch Tank 2 wieder gereinigt an seinem Platz – nun muss nur noch der Protektor wieder unter den beiden Tanks montiert werden.

Finale und große Erleichterung

Da die Montage des Protektors ein ziemliches Gefummel ist, weil die Schrauben passgenau durch mehrere Öffnungen müssen, verschieben wir das angesichts des Sonnenuntergangs auf den nächsten Tag – genau wie die Rückführung des restlichen Diesels und das Fixieren der Tankbänder.

Und dann schlägt die Stunde der Wahrheit: Wir starten Fred und schalten von Tank 3 auf Tank 1 und dann Tank 2 um: Wie erwartet, zeigen sich ein paar schwarze Fäden im Schauglas des Separ-Filters, weil natürlich noch Rückstände von dem Schiet in den Dieselleitungen waren. Aber dann sieht alles gut aus und wir starten leicht angespannt zu einer weiteren Probefahrt. Und dieses Mal geht alles gut: Fred schnurrt reibungslos wie immer und auch die Steigungen der ausgewählten Teststrecke schafft er ohne Probleme. Mann, sind wir glücklich und erleichtert – und auch ein bisschen stolz, dass wir das alles unter einfachsten Bedingungen selbst hingekriegt haben.

Nun müssen wir nur noch aufräumen, eine dringend notwendige heiße Dusche nehmen und etwas Wäsche erledigen – und dann sind wir aufbruchsbereit. Zum Abschluss dieses erfolgreichen Tages gönnen wir uns noch einmal ein leckeres Dinner beim Camping und treffen dabei einen Reisenden aus Österreich wieder, mit dem wir Weihnachten in der Villa Maguela gefeiert hatten. Die Welt ist doch immer wieder ein Dorf. Das gilt auch noch für eine andere Begegnung, von der wir dann im nächsten Blog berichten!

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