Unsere ersten Tage in Mauretanien verbringen wir im Overlander-Treff in der Villa Maguela – und feiern auch Weihnachten dort. Aber dann ist es Zeit, erste Eindrücke in Nouadhibou zu sammeln. Und wir können bereits hier bestätigen, was schon viele Reisende vor uns festgestellt haben: Mauretanien ist komplett anders als Marokko, hier beginnt das eigentliche Afrika. Für uns gibt es hier aber ein Wiedersehen mit Europa in Form unserer italienischen Freunde Franca und Davide mit ihrem Exmo.

Weihnachten in der Villa Maguela
Von der Grenze aus fahren wir direkt zur Villa Maguela, die auf einer Landzunge kurz vor der Stadt Nouadhibou liegt. Auf dem Weg passieren wir mehrere Kontrollposten, an denen wir ein sogenanntes Fiche abgeben müssen. Auf dem Fiche stehen unsere Namen, Passnummern etc. – es empfiehlt sich, einen ganzen Stapel davon dabei zu haben. Obwohl wir ja noch gar nicht weit weg von Marokko sind, verändert sich das Landschaftsbild: Es wird weiter und rauer und man bekommt eine erste Ahnung von den Ausmaßen dieses Landes.




Die Villa Maguela ist ein Overlander-Treffpunkt und wird von dem Holländer Victor betrieben. Aufgrund ihrer grenznahen Lage – aber noch mehr wegen ihrer besonderen Atmosphäre – wird sie von vielen Overlandern nach der Einreise bzw. vor der Ausreise aufgesucht. Neben Stellplätzen für Exmos und Vans gibt es im Hauptgebäude auch Zimmer für Motorradreisende sowie eine Dusche mit heißem Wasser und ein Klo. Einfach, aber malerisch!

Denn die Villa Maguela liegt direkt an der großen Lagune zum Landesinneren. Da wir an unserem ersten Tag die einzigen Gäste sind, können wir uns einen Platz mit tollem Blick auf die Lagune aussuchen. Es gibt auch verschiedene Sitzplätze am felsigen Ufer und man kann die Pelikane weiter draußen beobachten. Wir werden von Viktor mit Kaffee und Keksen in der Küche willkommen geheißen. Hier wird gerade der Gefrierschrank mit einem Berg gefrorener Hähnchenschenkel abgetaut und wir bekommen einen direkten Einblick in die rustikalen Küchenverhältnisse hier – erinnert uns irgendwie ein bisschen an unser Landleben im Alentejo, Portugal 😉
In den Folgetagen füllt es sich zunehmend – und wir verbringen die beiden Tage vor Heiligabend mit spannenden Gesprächen mit den unterschiedlichsten Reisenden. Manche sind wie wir gerade erst eingereist, andere haben schon eine Runde durch Mauretanien hinter sich oder kommen sogar von noch weiter südlich aus dem Senegal oder gar Südafrika. Und auch die vertretenen Fahrzeugtypen sind vielfältig: Vom großen Exmo, über Unimogs und Landys bis hin zum Allrad-2CV ist alles dabei!



Jeden Abend gibt es für alle, die wollen, ein gemeinsames Abendessen an einer langen Tafel. Abwechselnd helfen die Gäste beim Zubereiten, Tisch decken und servieren der Mahlzeit. Diese fällt am 24.12. ganz besonders aus: Wir sind über 20 Personen aus den verschiedensten Ländern – Deutsche, Schweizer, Österreicher, Briten, Franzosen, Niederländer, Serben, Amerikaner – an der langen Tafel. Entsprechend herrscht auch ein reges Wirrwarr an Sprachen, aber die Verständigung klappt prima. Vor dem Weihnachtsessen stimmen drei Briten (und ich) noch ein paar klassische Weihnahctslieder à cappella an – ein unvergesslicher Abend!
Wiedersehen in Nouadhibou
Am 25.12. verlassen wir die Villa Maguela mit neuen Kontakten und vielen Tipps, das war schon mal ein super Einstieg! Nun haben wir aber eine Verabredung – und zwar mit unseren italienischen Freunden Franca und Davide. Treue Leser werden sich vielleicht an sie erinnern, bei ihnen haben wir nach unserer Marokko-Tour in 2023 gut zwei Monate in der Nähe von Malaga in Spanien verbracht und sie auch in diesem Jahr dort besucht. Nun warten sie in am Pharo Cansado auf uns.




Der Weg dorthin führt uns einmal durch den Trubel von Nouadhibou. Entlang der Hauptstraße gibt es unzählige Läden und ein reges Gewusel von Autos, Menschen, Fuhrwerken und jeder Menge Tiere. Aber vor allem gibt es überall unglaubliche Müllberge: Entlang der Straße, zwischen Häusern, auf brachliegenden Grundstücken… Und meistens steht ein Haufen Ziegen dazwischen und frisst die Pappe – manchmal liegen auch Kühe mitten auf einem Müllhaufen. Das ist schon krass und man muss sich erstmal daran gewöhnen.


Stefano steuert Fred gelassen durch das Chaos, hier gilt: go with the flow. Rote Ampeln werden von den Einheimischen eher selten beachtet und auch das Vorfahrtsprinzip wird spontan mal, so mal so ausgelegt. Anschließend geht es durch das Hafengebiet, wo auch die langen Züge aus dem Norden einrollen, da hier das Eisenerz auf Frachter verladen wird.

Unsere italienischen Freunde stehen an einer ruhigen Ecke am Leuchtturm – große Wiedersehensfreude auf allen Seiten. Als erstes gibt es natürlich Pasta und dann machen wir uns an die Routenplanung, denn wir wollen ein paar Pisten in Mauretanien gemeinsam fahren, bevor es für die beiden weiter bis nach Südafrika geht.




Am Folgetag füllen wir alle nochmal unser Wasser an einem unscheinbaren Hahn in der Wand auf, die Wasserqualität ist aber prima, nur der Druck ein bisschen schwach, aber das sind wir schon gewohnt. Und dann decken wir uns in Nouadhibou noch mit frischen Lebensmitteln ein. Dazu halten wir einfach mitten im Chaos an, Franca und ich gehen shoppen und dann geht’s weiter. Das Brot erwirbt Stefano unterdessen aus dem Lkw heraus bei einem der fliegenden Händler, die mit großen Brettern voll Backwaren auf dem Kopf die Straße entlanglaufen.



Und dann geht’s raus aus Nouadhibou, auf in Richtung Iron Ore Track. Was uns dort alles erwartet, lest ihr dann im nächsten Blog!




