Sorry! Google hat hier übersetzt:-)
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Immer der Nase nach

Immer der Nase nach

Der Monat ging gleich mit der nächsten Verabredung weiter. Sollte sich also jemand fragen, ob man beim Dauerunterwegssein vielleicht die sozialen Kontakte vermisst, ist die Antwort ganz klar: Nein. Wenn man möchte, ergeben sich unterwegs so viele spannende Begegnungen – und wenn man mal seine Ruhe haben möchte, ist das genauso möglich. Diesen Monat haben wir beides intensiv gehabt.

Stadtleben in Loule

Von Falesia aus geht’s nach Loule, wo wir mal wieder mit einer Instagram-Bekanntschaft verabredet sind: Peter und Anja von Karlsson_815. Wir treffen uns auf einem großen Parkplatz mitten in der Stadt, der sich als erstaunlich guter Stellplatz erweist. Tagsüber parken dort zwar viele Pkws, um ihre Erledigungen und Einkäufe zu machen, nachts ist es aber total ruhig. Und es ist vor allem alles fußläufig zu erreichen, was von großem Vorteil ist, denn mit unserem dicken Fred vermeiden wir es nach Möglichkeiten, uns durch die meist sehr engen Gassen der portugiesischen Orte zu kämpfen.

Nach ausgiebigem Kaffeeplausch und Hunderunde (die beiden haben auch einen Hund) geht’s dann abends in eine Pizzeria, die die beiden von Freunden empfohlen bekommen haben. Die Pizzas sind auch wirklich großartig – allerdings habe ich beim Essen den Schreck meines Lebens, als ich feststelle, dass einer meiner Ringe am Finger fehlt, der erste Ring, den Stefano mir vor über 18 Jahren geschenkt hatte! Einen Beinahe-Herzinfarkt und eine aufwendige Suchaktion später ist er zu meiner Riesenerleichterung wieder da. Ich war nachmittags auf der Hunderunde auf einem verlassenen Grundstück über einen Stein gestolpert und der Länge nach hingeschlagen – und dabei ist er mir dann unbemerkt vom Finger geflogen. Zum Glück war das Grundstück etwas abgelegen und der Pfad kaum frequentiert – und Stefano hat ihn dort dann im Licht der Stirnlampe (denn natürlich finden solche Suchaktionen immer im Dunkeln statt) wiedergefunden und mir quasi zum zweiten Mal geschenkt. Uffz!!!

Während die beiden am kommenden Tag weiterfahren, beschließen wir, noch etwas das Stadtleben zu genießen. Mittags gibt’s einen kleinen Imbiss in einer ruhigen Seitenstraße, wir besichtigen die eindrucksvolle Markthalle mit diversen Fisch- und Gemüseständen und schlendern einmal durch die größeren Fußgängerpassagen, in denen überall schon Weihnachtsdekoration steht – das ist ja immer etwas seltsam bei fast 20 Grad und knallblauen Himmel. Hatten wir zuletzt vor dreizehn Jahren auf den Kapverden 😉

Für den Abend haben wir uns ein kleines Ceviche-Restaurant rausgesucht, dessen Bewertungen sich recht vielversprechend anhörten. Es war auch wirklich super, und da wir die einzigen Gäste sind, bekommen wir volle Aufmerksamkeit und beste Beratung. Man stellt uns ein Menu aus verschiedenen Gängen zusammen, damit wir möglichst viele unterschiedliche Sachen probieren können – so was von lecker. Und sehr gemütlich eingerichtet ist der Laden auch, inklusive sehr schöner Hintergrundmusik. Der Chef erzählt uns, dass es durch Corona für sie wirklich schwierig geworden ist – wir drücken ihnen die Daumen, dass sie bald wieder mehr Gäste haben, verdient haben sie es auf jeden Fall!

Irgendwo im nirgendwo
am Stausee

Nachdem wir ja seit unserer Rückkehr nach Portugal eigentlich mehr oder weniger durchgehend Freunde getroffen haben – was wir auch ganz großartig fanden – ist es jetzt mal Zeit für ein bisschen Zweisamkeit und Ruhe. In der Nähe von Odeleite gibt es einen Stausee und auf Google Maps haben wir mehrere vielversprechende Trails entdeckt, die scheinbar direkt am Seeufer enden. Vorher nochmal Wasser ver- und entsorgen und einen Großeinkauf gemacht und dann kann’s losgehen.

Der erste Platz, den wir anfahren, wäre super, wenn wir mit dem Landy unterwegs wären – Fred ist dafür einfach zu groß, wir bekommen ihn am Ende der Sackgasse nur mit Mühe gewendet und müssen dazu schon teilweise in den See reinfahren. Zum Glück haben wir ja wieder 4×4 😉 Also geht’s weiter. Die Piste wird langsam ausgewaschener und rumpeliger, um dann plötzlich durch eine winzige Ansammlung von Häusern zu führen. Wir passen mal so gerade zwischen den Mauern durch, wobei die größte Herausforderung die sehr kreativ und vor allem tief hängenden Stromkabel sind! Nach weiteren 7 Kilometern geht es dann ziemlich steil Richtung See runter – und als wir um die letzte Kurve kommen, steht da plötzlich ein Lkw am Seeufer. Scheint, als wäre er schon länger dort, im Umfeld sind Beete angelegt und auch ein verlassener Minibagger und verschiedene Gerätschaften sind auszumachen. Aber offenbar ist niemand zu Hause. Trotzdem wollen wir uns nicht direkt in seine Nachbarschaft stellen – denn nichts ist ja nerviger, als wenn man einen schönen, abgelegenen Platz gefunden hat und plötzlich ein Kuschelcamper neben einem steht!

Die Piste wird ab hier allerdings sehr schmal und hat einige fiese Spitzkehren. Wir gehen sie sicherheitshalber erstmal zu Fuß ab und entdecken ca. 1 km weiter einen sehr schönen Platz, zwar nicht direkt am See, sondern oberhalb, aber mit einem atemberaubenden Rundumblick – und auch mit genügend Rangierfläche, um hier zu wenden. Denn die Piste geht zwar weiter, wird aber für unsere 14t definitiv zu schmal und ist außerdem mit tiefhängenden Bäumen überwuchert. Mit viel Gezirkel erreichen wir schiesslich unseren Stellplatz, genau das, was wir uns vorgestellt hatten.

Wir werden hier gut zwei Wochen verbringen, und in der gesamten Zeit kommen ein Pkw sowie ein Bauer mit Esel vorbei. Und beim am Seeufer stehenden Lkw tut sich in der ganzen Zeit gar nichts, wir kommen gelegentlich auf einer unserer Gassirunden vorbei, weil man dort direkten Zugang zum See und einem großen Kieselstrand hat. Der Lwk und der verwahrloste Garten regen unsere Phantasie an: Ob sich hier wohl jemand während der Pandemie hin zurückgezogen hatte und versucht hatte, Selbstversorger zu sein? Und was hatte ihn dann weggetrieben? Oder würde er eines Tages wiederkommen und sein Anbauprojekt weiterführen?

Wie auch immer, wir genossen die Stille und Schönheit des abgelegenen Ortes sehr. Gleich am ersten Abend gab es lecker Fisch, den wir vor unserer Abfahrt morgens noch in der Markthalle von Loule gekauft hatten. Und nachts konnten wir einen großartigen Sternenhimmel bewundern, da es keinerlei Störlicht gab. Der Blick auf die WetterApp offenbarte allerdings, dass für das Jahresende eine kräftige und vor allem längere Regenfront nahte – und die Ausspülungen auf unserer Piste ließen erahnen, welche Wassermassen dann hier runterfließen würden. Insbesondere bei einer Spitzkehre, bei der wir auf dem Hinweg schon mit einem Hinterrad über dem Abgrund gehangen hatten, könnte das bei dem Untergrund schnell fatal werden.

Feiertage an der portugiesisch-spanischen Grenze

Also ging es wieder zurück in die Zivilisation. Für den Rest des Jahres schlugen wir unser Lager in Vila Real de Santo Antonio, einer kleinen Hafenstadt direkt an der portugiesisch-spanischen Grenze auf. Hier gab es einen großen Stellplatz mit Blick auf den Grenzfluss – und einer sehr leckeren, kleinen Fischbude direkt vor unserer Tür. Man konnte sich hier etwas von dem fangfrischen Fisch aussuchen, der kam dann auf den Grill und wurde mit frischem Salat und Kartoffeln plus einem ausgezeichneten Vinho Verde serviert.

Der angrenzende Fischereihafen war das perfekte Gebiet für Gassirunden mit TomTom und auch das restliche Hafengebiet mit einer Marina und weiteren Restaurationen war sehr nett – aber als Hamburger finden wir Hafenatmosphäre eh immer großartig.

Das örtliche Grand Hotel ließ vergangene Glanzzeiten erinnern und versprühte ein gewisses Havanna-Flair, wie auch die vielen brachliegenden Hafengebäude in der Nähe unseres Stellplatzes. Einen Weihnachtsmarkt gab es natürlich auch – und viel wichtiger in Anbetracht der herannahenden Feiertage – einen exzellent sortierten Supermarkt samt hervorragendem Schlachter in Laufweite. Hier deckten wir uns mit jeder Menge Köstlichkeiten ein, bevor mit Weihnachten auch eine massive Niederschlagswelle über uns hinwegzog. Störte uns aber gar nicht – wir saßen mit leckerem Essen und Trinken warm und trocken bei Kerzenschein in Fred.

Passend zu diesem Jahr mit so vielen schönen Begegnungen war dann auch der Jahresausklang: Sarah und Finn von Pidivan, die wir bislang ebenfalls nur von Instagram kannten, schauten zum Jahreswechsel bei uns vorbei und wir feierten mit reichlich Sekt sehr beschwingt gemeinsam ins Neue Jahr.

Wir sind schon gespannt, was 2022 unterwegs so an Überraschungen für uns bereithält – wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr darauf!

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