Mit unseren nächsten beiden Zielen steuern wir zwei Gegensätze an: Wasser und Sand. Die Oase Terjit liegt rund 50 Kilometer von Atar entfernt in einer Felsenschlucht und verzaubert durch eine Wasserlandschaft und üppiges Grün inmitten der trockenen Wüste. In Kombination mit den massiven Bergketten eine wirklich ganz besondere Atmosphäre, auch in dem kleinen, liebevoll betriebenen Camp in der Nähe. Im Kontrast dazu treffen wir im Oued Timinit auf eine beeindruckende Dünenlandschaft, in der die Piste irgendwann aufhört und die uns vor kleine Herausforderungen stellt.
Karte der Strecke
Overlander-Treffen in Atar
Wir steuern bei unserer Rückkehr nach Atar wieder den Camping Inimi an und beziehen unseren alten Stellplatz. Die erste Nacht sind wir noch ganz allein, am Folgetag bekommen wir Gesellschaft von gleich zwei Lkw-Gruppen, so dass wir abends insgesamt sieben Fahrzeuge sind. Einigen der Exmos folgen wir schon seit längerem auf Instagram und freuen uns, sie nun einmal persönlich zu treffen. Und der Kat-Fahrerin sind wir bereits in Marokko begegnet. Ist schon lustig: Obwohl Mauretanien so ein großes Land ist, fahren sich hier früher oder später alle wieder über den Weg.








Wir verbringen einige Tage in wechselnder Fahrzeugkonstellation auf dem Camping, machen zwischendurch mal einen Ausflug in den Souk, waschen Wäsche, quatschen und lassen uns abends vom Camping bekochen. Und einen kleinen Hundefreund haben wir hier auch: Ich habe ihn Wiggles genannt, weil er sich immer so freut, Menschen zu sehen und mit dem ganzen Körper aufgeregt hin- und her wackelt. Wir kennen ihn schon von unserem ersten Aufenthalt und er erinnert sich auch direkt an uns – oder an das Futter, das ich ihm gegeben habe 😉
Oase Terjit:
Grünes Wunder in der Wüste
Unser nächstes Ziel liegt nur eine Fahrstunde von Atar entfernt: Die Oase Terjit. Die Route geht tatsächlich große Strecken über Asphalt, bevor wir dann auf die Sandpiste zum Örtchen Terjit abbiegen. Sie führt zwischen den kleinen Hütten hindurch und wird langsam immer enger, so dass wir an einer Ausweichstelle Fred erstmal stehen lassen und zu Fuß weitergehen, denn bei unserer Größe kann es in diesen kleinen Dörfern schnell (zu) eng werden. Wir folgen der Piste zwischen Dattelhainen hindurch und stoßen auf ein kleines Camp, das sofort durch seine akkurate Gestaltung auffällt: Alles ist total sauber und ordentlich, zwischen kleinen, traditionell gebauten Hütten gibt es verschiedene Stellplatzmöglichkeiten für Fahrzeuge – und eine davon erscheint uns auch groß genug für Fred.







Also wieder retour und dann ganz vorsichtig das Einparkmanöver gestartet: Passt, wackelt und hat Luft! Sofort kommt der Betreiber mit einem Teppich herbei und breitet diesen vor unserer Treppe aus. Als nächstes folgt ein Tablett mit frisch gekochtem Tee, zwei Bechern voll Wasser, Datteln und Keksen. In den kommenden Tagen werden wir hier wirklich ganz rührend umsorgt und trinken jeder bestimmt 12 Gläser Tee täglich 😉 Die Datteln kommen hier aus den Palmerien und sind sehr lecker, später bekommen wir von unserem Wirt sogar noch zwei verschiedene Sorten Dattelpaste geschenkt. Ein ganz besonderes Event ist auch sein Abendessen: Wir bekommen eine riesige Platte mit Spaghetti-ähnlichen Nudeln, on top gekochte Kartoffeln, Möhren und Hühnchenteile. Es schmeckt prima, man sollte nur weder das Geschirr noch die Küche allzu kritisch unter die Lupe nehmen – aber so ist das hier eben, pingelig sollte man in Mauretanien nicht sein. Und die Mühe, die hinter seiner Essenszubereitung steckt, ist wirklich anrührend.






Wenn unser Gastgeber nicht gerade damit beschäftigt ist, uns zu bewirten, kümmert er sich um seine kleine Anlage: Es wird gefegt, bewässert, die Waschzuber aufgefüllt. Wobei die „Nasszelle“ bemerkenswert ist: Ein bis auf Brusthöhe ummauertes Quarre, in dessen Ecke eine der typischen Hock-Klo-Platten ist, daneben ein Eimer mit Wasser zum Spülen. Und auf der Mauer stehen zwei große, bis zum Rand mit Wasser gefüllte Plastikwannen samt Schöpfkelle für die Dusche. Schlicht, aber funktional – wobei wir dann doch unser eigenes Bad nutzen 😉
Rund um das Camp erheben sich gewaltige Felswände, deren Farbe sich im Laufe des Tages mit dem Sonnenstand von pechschwarz über grau bis hin zu rötlich verändert. Es gibt jede Menge Vögel – und am Rande der Felsen wohnen Klippschliefer, auch Klippdachs genannt, deren putziges Pfeifen in der Abenddämmerung ertönt und die manchmal für einen kurzen Moment zu sehen sind. Im weiteren Verlauf des Tals verengen sich die Bergketten weiter hinten zu einer tiefen Schlucht, in der sich die Oase befindet.
Zur ihr brechen wir am nächsten Morgen auf – nachdem wir von unserem Wirt frisches Fladenbrot und Tee zum Frühstück bekommen haben. Der Eingang ist nur knapp 500 Meter von unserem Camp entfernt, und schon beim Betreten des Palmenhains spüren wir unmittelbar die kühlere Luft und hören überall das Rauschen von Wasser. Am Ende der einige hundert Meter langen Felsenschlucht entspringt eine Quelle und das Wasser fließt von dort zwischen den Steinen hindurch, sammelt sich in kleinen Naturbecken und lädt zum Baden ein.











Es ist eine unglaublich schöne Atmosphäre, die sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Nachdem wir die letzten Wochen, eigentlich ja eher Monate, hauptsächlich trockene, karge Wüstenlandschaften gesehen haben, sind wir nun plötzlich von üppigem Grün und Wasser umgeben. An den Feldwänden wuchern Moose und Farne, Palmen spenden Schatten und das Wasser sucht sich plätschernd seinen Weg zwischen den Felsen hindurch. Wir haben Glück und es sind kaum Besucher hier. Die aufgestellten Zelte und die kleine Gastroeinrichtung lassen aber erahnen, was hier wohl oft für ein Andrang herrscht – vor allem an den Badebecken. Wir treffen erfreulicherweise nur auf sehr wenige andere Menschen und können diesen beeindruckenden Ort ganz in Ruhe für uns genießen.
Insgesamt bleiben wir drei Tage in Terjit, ein wirklich magischer Ort mit einer unglaublichen Landschaft. Man kann gut nachvollziehen, warum die Oase Terjit früher ein beliebter Rastplatz für Karawanen und Pilger war, an dem auch religiöse Zeremonien und Hochzeitsfeiern abgehalten wurden – bis hin zur Krönung einiger afrikanischer Prinzessinnen.
Versunken im Weichsand des Oued Timinit
Von Terjit aus fahren wir auf der Asphaltstraße weiter Richtung Süden und die Wüste hat uns wieder. Der feine Sand überweht auch immer wieder große Teile der Straße und muss regelmäßig von Bulldozern entfernt werden. Wir haben uns eine Route durch das Oued Timinit ausgeguckt, welches wir nach der Überquerung eines weiteren Passes mit spektakulärem Blick auf große Dünen erreichen.



Hier heißt es wieder reichlich Luft aus den Reifen lassen. Dabei kommen wir mit einem Local ins Gespräch, der sich recht skeptisch zeigt, ob das mit unserer Fahrzeuggröße eine gute Idee ist. Sein O-Ton: „Das ganze Oued besteht nur aus Sanddünen.“ Wie recht er hat, werden wir noch am eigenen Leib erfahren. Zunächst sind wir aber ganz optimistisch, denken an unsere tolle Tour durch den Weichsand im Oued zwischen Ouadane und Chinguetti und starten fröhlich in die Sandwelt.


Die Szenerie ist auch wirklich großartig: Auf der rechten Seite des Oueds erstecken sich schier endlose Dünenketten, die sich zunehmend in das Flussbett hineinbewegen. Zunächst gibt es auf der linken Seite eine erkennbare Piste, der wir folgen – allerdings ist sie eher für die Spurbreite der hier üblichen Toyota Hilux und Co. ausgelegt und weniger für einen großen Lkw. Das macht sich besonders an den Stellen bemerkbar, wo sie durch dichteres Buschwerk führt und uns die Zweige rechts und links am Koffer längst kratzen. Schließlich endet sie für Fred in einer Sackgasse.
Laut unseren Karten müsste es auch auf der rechten Seite eine Piste geben, also versuchen wir, rüberzukreuzen. Das gelingt auch und in Teilen sind Pistenreste zu erkennen – aber offenbar haben die letzten Sandstürme den Großteil komplett unter Sand begraben. Wir erkunden mehrere Alternativrouten zu Fuß, einen Pistenverlauf gibt es hier nicht mehr, nur ein endloses Feld von Sanddünen. Es ist ein unglaublich beeindruckendes Gefühl, inmitten dieses Ozeans aus Sand zu stehen – und es lässt einen spüren, wie klein und unbedeutend der Mensch inmitten dieser gewaltigen Natur ist.




Letztlich entscheiden uns für eine Routenoption, treffen allerdings wenige Kilometer weiter auf ein weiteres tiefes Weichsandfeld zwischen den Dünen. Und beim Zurücksetzen passiert dann das unvermeidliche: Wir fahren uns fest – und zwar so richtig! Trotz Sandblechen und Luftablassen bis zur zulässigen Belastungsgrenze für die Reifen dauert es am Ende drei Stunden, bis wir uns befreit haben. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend das Graben im weichen Sand bei gefühlten 40 Grad in der Sonne sein kann, wir sind am Ende vollkommen platt… Gehört aber auch dazu und ist ja dankenswerterweise nach den über 2.000 Offroad-Kilometern der letzten Monate das erste Mal.









Hauptsache, wir haben es wieder rausgeschafft! Weitere Versuche, hier eine für uns gangbare Route zu finden, erscheinen wenig erfolgversprechend und so beschließen wir, umzukehren. Denn für uns ist Offroad-Fahren vor allem Spaß und kein Leistungswettbewerb, den man auf Biegen und Brechen durchziehen muss. Nach wenigen Kilometern retour treffen wir auf eine Overland-Truppe, von denen sich bereits auch ein Landrover im Sand eingegraben hat – sie wollen es trotzdem noch weiter versuchen, haben aber auch deutlich leichtere Fahrzeuge. Und dann stößt aus unserer ursprünglichen Fahrrichtung noch ein Isuzu Pickup zu uns. Er ist die komplette Strecke gefahren und meint nur ganz trocken, dass die schon für sein Fahrzeug teilweise grenzwertig gewesen sei – für einen 14 Tonnen Truck wie Fred aber definitiv nicht empfehlenswert.


Lustigerweise haben wir diesen Fahrer und seinen Hund schon vor gut zwei Monaten in Dakhla getroffen und beschließen nun, uns zusammen einen Nachtplatz am Rande des Oued zu suchen. Dabei graben wir uns mit Fred ein weiteres Mal ein… Aber dann ist es geschafft: Wir sitzen zusammen draußen im Sand, genießen die Stille und den Sternenhimmel und quatschen uns fest. Und da zeigt sich mal wieder: Manchmal ist einfach der Weg das Ziel 😉

In den Folgetagen geht es für uns zurück Richtung Atar und von dort zu unserer vorerst letzten großen Etappe in Mauretanien – mehr dazu im nächsten Blog.





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