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Offroad entlang der Erzbahnlinie

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Mit dem Iron Ore Track steht das erste große Highlight in Mauretanien an! Dabei handelt es sich um eine rund 400 Kilometer lange Offroad-Piste entlang der Eisenerzbahn – wobei die Erzbahn mit ihren bis zu 3 Kilometer langen Aneinanderreihung von Güterwagons eine eigene Sehenswürdigkeit ist: Sie hat die längsten Züge der Welt und verkehrt auf einer 700 km langen Strecke zwischen den Eisenerzbergwerken im Norden und dem Hafen in Nouadhibou. Die Offroad-Piste verläuft bis Choum entlang der Gleise, beinhaltet wunderbare Dünenpassagen und ermöglicht einen Abstecher zu den Monolithen Ben Amira und Ben Aischa. Ein insgesamt unvergessliches Erlebnis!

Karte der Strecke


Ab auf den Iron Ore Track

Nachdem wir Nouadhibou verlassen haben, fahren wir gemeinsam mit unseren italienischen Freunden auf der Hauptstraße erst nach Osten und dann abknickend nach Süden, bevor wir auf die Eisenerzpiste abbiegen. Wir umfahren den eigentlichen Ort, wo der Pisteneinstieg normalerweise beginnen würde, da wir von mehreren Overlandern gehört haben, dass hier Kinder die Exmos mit Steinen bewerfen – das muss ja nicht sein. Unser südlicher Quereinstieg ist unproblematisch und wir können in Ruhe die Luft aus unseren Reifen ablassen, denn jetzt beginnt der Spaß im Sand.

Wir befinden uns unverzüglich mitten in der Wüste, und die Piste schlängelt sich zwischen Dünen hindurch, rechts und links stehen noch kleine Grasbüschel und ab und zu eine Akazie. Links von der Piste verläuft die Bahnlinie und kurz dahinter ist bereits die Grenze zu Marokko und damit die Gefahr von Landminen, weshalb man die Bahnlinie hier auch auf keinen Fall kreuzen sollte.

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Der erste Tag auf der Piste endet bei einem großen Sicheldünenfeld, wo wir uns ein geschütztes Plätzchen am Dünenrand suchen. Es ist eine fantastische Landschaft, wir sind alle vier total begeistern und auch die Hunde unserer Freunde haben ihren Spaß in den weichsandigen Dünen. Abends kommen die am Vormittag in Nouadhibou gekauften Hühnerkeulen in den Dutch Oven und wir fallen satt und glücklich ins Bett.

Der Eisenbahn-Friedhof

Tag zwei auf der Piste führt uns auf wunderbaren Sandpisten zur ersten „Sehenswürdigkeit“: Einem Eisenbahn-Friedhof. Direkt neben der Schienentrasse liegen diverse Güterwagons im Sand begraben. Hier ist vor längerer Zeit ein Zug verunglückt und man hat lediglich die Gleise freigeräumt, aber die Wagons in der Wüste liegen lassen. Sonne, Sand und Wind haben sichtbare Spuren auf dem Metall hinterlassen, hinzu kommen die sich bildenden Dünen, die Stück für Stück die Wagons begraben. Es wirkt wie eine surreale Kunstausstellung mit abstrakten Objekten und hat eine ganz besondere Atmosphäre.

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Natürlich nutzen wir die Gelegenheit auch, uns einmal auf die Schienen zu stellen – sie scheinen unendlich über den Horizont hinaus zu laufen. Und dann kündigt sich ein Zug an, den man mit seinem tiefen Grollen schon lange im Voraus hört, bevor er schließlich ins Sichtfeld kommt. Teilweise werden die bis zu drei km langen Züge von drei oder vier Lokomotiven gezogen, von denen jede allein 167 Tonnen wiegt. Das Gewicht des gesamten Zuges kann bis zu 17.000 Tonnen betragen – eine buchstäbliche Aneinanderreihung von Superlativen!

Unser Nachtplatz liegt an einer Ansammlung schwarzer Steine und wir haben – wie schon am Abend zuvor – wieder einen unglaublichen Sonnenuntergang. Alle paar Stunden rumpelt erneut ein Zug vorbei, wobei man die Länge der Züge am besten aus der Luft abbilden kann, wie die Drohnenbilder unserer Freunde eindrucksvoll zeigen.

Die Weichsandfelder beginnen

Am dritten Tag wird die Piste zunehmend weichsandiger, d.h. es ist an der Zeit, noch mehr Luft aus den Reifen zu lassen, um die Aufstandsfläche zu vergrößern. Gerade bei unseren 14,5 Tonnen und „nur“ 230 PS ist das entscheidend, um den notwendigen Vortrieb halten zu können und nicht im Sand einzusacken. Fred pflügt sich aber tapfer durch, nur in einem tieferen Dünental bleiben wir fast stecken, am Ende geht aber alles gut! Wir waren aber offenbar nicht die ersten, die an dieser Stelle zu kämpfen hatten, denn man kann größere Ausgrabungsspuren von einem anderen Lkw erkennen. Am Abend werden wir wieder mit einem großartigen Sonnenuntergang belohnt.

Der vierte Pistentag beginnt mit weiterem Fahrspaß durch die Dünen. Es ist einfach faszinierend, die sich immer wieder auffächernden und dann wieder zusammenführenden Pisten zu beobachten – jeder versucht, die ideale Fahrlinie zu finden. Hinzu kommt, dass zwischen den angenehm zu fahrenden Weichsand-Passagen immer wieder kurze Waschbrett-Abschnitte, gerne auch mit Steinen, kommen. Diese müssen wir aufgrund des niedrigen Reifendrucks vorsichtig und mit nicht zu hoher Geschwindigkeit durchfahren, um uns nicht die Seitenflanken kaputt zu machen. Und so schafft man pro Stunde zwischen 25 und 30 Pistenkilometern – aber wir haben es ja nicht eilig.

Der größte Monolith Afrikas: Ben Amira

Und dann ist so weit: Wir kreuzen die Bahnlinie, um zu einem weiteren Highlight auf der anderen Seite zu kommen: Dem Ben Amira. Mit seinen 600 Metern ist er der größte Monolith in ganz Afrika und der zweit- oder drittgrößte (die Angaben gehen da etwas auseinander) auf der Welt. Man kann ihn schon 30 km im Voraus sehen – und wenn man dann direkt davorsteht, ist das schon sehr beeindruckend!

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Nach dem obligatorischen Foto-Shooting suchen wir uns einen schönen Platz an einer Düne in der Nähe – die perfekte Location für den in zwei Tagen stattfindenden Jahreswechsel. Wir verbringen die Tage mit dem Erkunden der Umgebung, bekochen uns gegenseitig und genießen einfach die unglaubliche Atmosphäre an diesem Ort. Der Ben Amira ist nicht der einzige Monolith, die Landschaft besteht hier aus weiteren Monolithen und diversen Dünen. Die Monolithen sind wie riesige schwarze Kolosse, deren „Haut“ langsam aufbricht: Ihre Oberfläche zersplittert in große Felsplatten, die teilweise runtergerutscht sind und große Geröllfelder am Fuße der Monolithen bilden.

Der Skulpturenpark am Ben Aischa

Das weibliche Gegenstücke zum Ben Amia, Ben Aischa, liegt ca. sieben Kilometer entfernt. Wir leihen uns das Quad von Franca und Davide aus und statten ihr einen Besuch ab. Sie ist kleiner, aber schöner als der Ben Amira – und die Felsstrukturen lassen eindeutig erkennen, warum dieser Monolith als Frau angesehen wird 😉

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Eine weitere Besonderheit ist der Skulpturenpark an ihrem Fuße: Um 1999/2000 haben hier diverse Steinmetze aus aller Welt Kunstwerke zum Thema „Frieden“ in die Felsen gehauen – einfach wunderschön anzusehen. Man kann stundenlang zwischen den Felsen herumlaufen und entdeckt immer noch eine neue Skulptur, irgendwie mystisch. Wir sind auf jeden Fall schwer begeistert!

Offroad entlang der Erzbahnlinie

Der perfekte Ausflug zum Jahresausklang, den wir abends mit Franca und Davide gemeinsam feiern: Erst ganz klassisch „Dinner for one“ gucken, dann lecker Chili con Carne essen, diverse Runden Triominos spielen und schließlich um Mitternacht mit Cava auf 2026 anstoßen!

Ankunft und Lost Place in Choum

Das neue Jahr beginnen wir mit dem fünften und letzten Fahrtag auf dem Iron Ore Track. Er startet mit weiteren großartigen, aber herausfordernden Weichsandpassagen, auf denen Fred zweimal fast stehenbleibt – warum, werden wir ein paar Tage später herausfinden… Aber wir schaffen es ohne Steckenbleiben bis zum Ende – und dann heißt es wieder Luft auf die Reifen bringen, denn wir sind kurz vor Choum. Hier gibt es neben dem Bahnhof auch einen größeren Ort mit ein paar Geschäften – und wer direkt auf dem Eisenerzzug mitfahren will, kann hier in den Passagierwagon einsteigen (alternativ geht auch eine Mitfahrt oben auf den Erzwagons, dafür sollte man sich aber gegen Staub, Wind, Dreck, Sonne und Kälte wappnen!).

Zum Abschluss der Strecke haben wir uns in der Nähe von Choum einen besonderen Nachtplatz rausgesucht: Und zwar fahren wir zum ehemaligen Tunnel der Eisenerzbahn im Norden des Ortes. Denn früher verlief die Bahnlinie aus politischen Gründen ausschließlich auf mauretanischem Gebiet und musste damit das hiesige Gebirge passieren. Bis 1978 wurde der Tunnel genutzt, dann wurde eine einfachere Trasse über marokkanisches Gebiet um den Berg herum verlegt. Die Eisenbahnschienen vor und im 2 km langen Tunnel wurden alle entfernt, so dass man ihn auch mit einem Fahrzeug durchqueren kann – man muss auf der anderen Seite allerdings direkt wieder umkehren, da auch dort noch die Gefahr von Landminen besteht.

Der Weg zum Tunneleingang führt über eine Piste und einen Sandwall, der auf den ersten Blick nicht zu queren scheint, es gibt dann aber doch eine steile Auf- und Abfahrt. Und es lohnt sich auf jeden Fall: Es ist ein beeindruckender Lost Place, nicht zuletzt durch die gewaltigen Felsmassive vor dem Tunneleingang, die beim Sonnenuntergang in ein unglaubliches Licht getaucht werden. Was für ein schöner Abschluss für diese großartige Offroad-Piste entlang der Eisenerzbahn.

Wir können diese Erfahrung nur allen mit 4×4 Fahrzeugen empfehlen, es ist wirklich ein Erlebnis, durch diese weite und wunderschöne Wüstenlandschaft zu fahren – genauso wie die Tag und Nacht herandröhnen enormen Eisenerzzüge und natürlich der Besuch bei den Monolithen!

Für uns geht es nun Richtung Atar – wobei uns auf dem Weg dorthin eine unangenehme Überraschung erwartet… Mehr dazu im nächsten Blog!

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