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Ramadan in der West Sahara

Ramadan in der West Sahara

Wer hätte es gedacht: Wir verbringen tatsächlich den ganzen Monat weiterhin an der Lagune in der Nähe von Dakhla, wechseln zwischendurch lediglich mal den Standort. Es ist einfach zu schön hier, zumal wir neben einem beeindruckenden Hochwasser auch noch einen Sandsturm miterleben – Natur pur. Und für Abwechslung und Unterhaltung ist dank verschiedener Besucher auch gesorgt. Absolutes Highlight: Ein Lagerfeuer am Strand bei totaler Windstille!

Im Bann des Lost Place

Der Lost Place, zu dem wir Mitte letzten Monats umgezogen sind, lässt uns auch diesen Monat nicht los – es ist einfach zu nett hier. Und das Beste: Wir haben das ganze Areal für uns, wenn man mal von den einheimischen Fischern absieht, die ab und zu vorbeikommen oder auch mal eine Nacht hier schlafen, wenn sie auf Tintenfisch-Fang sind. Der kleine Malinois-Mix ist auch immer noch bei uns und kommt seiner Aufgabe als „Wächter des Hotels“ (O-Ton von seinem Herrchen) sehr gewissenhaft nach – vor allem, wenn es dunkel wird. Da wird dann alles verbellt, was sich vermeintlich nähert. Wobei es meistens nur die Hunde vom Camp auf der anderen Seite der Lagune sind, die hier eine kleine Runde drehen – sehr zum Missfallen von Goldie.

Mit dem Vollmond steigt auch wieder das Wasser in der Lagune, jedes Mal ein faszinierendes Schauspiel. Genauso wie die fast täglich wechselnde Lichtstimmung, bei der mal alles wie ein Aquarellbild aussieht und dann wieder gestochen scharf wie eine Hochglanzfotografie. Wir lieben es einfach!

Und wenn uns nach Abwechslung ist, machen wir eine kleine Strandwanderung und gönnen uns einen eisgekühlten Chardonnay in der Kite Surfer Bar am Beach. Denn mit fortschreitendem Ramadan gehen auch unsere Weinvorräte zu Ende. Wir haben uns in den letzten Monaten aber schon sehr an die lokalen Gebräuche angepasst und sind zu eifrigen Teetrinkern geworden – frisch aufgebrühter grüner Tee mit frischer Minze ist schon was Feines!

Ramadan in der West Sahara

Lagerfeuer am Strand

Ab und zu bekommen wir am Lost Place auch Besuch: Erst ist es ein Exmo auf dem Rückweg aus Mauretanien, dazu gesellt sich dann noch ein zweites und wir verbringen ein paar Tage gemeinsam mit dem Austausch von Reiseerlebnissen. Nachdem die beiden wieder weg sind, kündigen sich ein paar Tage später die nächsten an: Simone und Rüdiger von Skeidarar – bislang kannten wir uns nur von Instagram, nun ein persönliches Treffen. Wir sind immer wieder erstaunt, wie häufig in der letzten Zeit die virtuelle und reale Welt bei uns aufeinandertreffen. Ist immer wieder schön, vor allem verfolgt man danach die weiteren Erlebnisse der einem nun persönlich bekannten Overlander noch mal ganz anders.

Und dann lernen wir noch Koen aus Belgien kennen. Er ist mit seinem Nissan Patrol samt Dachzelt auf der Suche nach einem windgeschützten Nachtplatz und gesellt sich zu uns. Am Folgetag haben wir fast totale Windstelle, was hier eine absolute Seltenheit ist, zählt Dakhla doch aufgrund seiner Windsituation zu einem der Top Kite Surf Spots weltweit. Aber dieses seltene Wetterphänomen muss natürlich sofort ausgenutzt werden, um endlich mal wieder ein Lagerfeuer zu machen. Holz findet sich im Lost Place ausreichend – und dann sitzen wir gemeinsam mit Koen und von ihm gesponsorten Bier am Strand und schauen in die Flammen.

Ramadan in der West Sahara

Im Laufe des Abends erfahren wir, dass er professioneller Sportler bzw. Abenteuer ist. So hat er bereits diverse Berge in Afrika und Südamerika erklommen und bereitet sich aktuell auf seine neueste Herausforderung vor: Die Überquerung des Atlantik mit einem Kite! Unglaublich, was er schon alles erlebt hat. Und so fasziniert, wie wir von seinen Geschichten sind, ist er umgekehrt auch von unserem Lebensstil. Solche Begegnungen sind einfach unvergesslich und unglaublich bereichernd, weil sie einem immer wieder die Vielfalt der möglichen Lebensmodelle vor Augen führen.

Zurück auf Anfang

Die Windstille hält genau einen Tag, dann geht es wieder los – allerdings jetzt nicht mehr (wie die letzten fünf Wochen) mit Nordwind, sondern mit Südwestwind. Der trifft mit voller Wucht aus der Lagune auf uns, so dass wir beschließen, wieder auf unser altes Plätzen an den Dünen umzuziehen. Sind ja nur 500 Meter 😉

Und dann stehen wir plötzlich in einer Welt aus Wasser, denn der starke Südwind drückt das Wasser vom Atlantik in die Lagune, so dass deren Ausdehnung sich vervielfacht. Das sieht unglaublich schön aus, vor allem der Kontrast zwischen dem knallblauen Wasser und den weißen Dünen. Ein Spaziergang zu unserem Platz vor dem Lost Place zeigt, dass der Wasserpegel dort enorm gestiegen und nur noch eine kleine Fläche Strand trocken geblieben ist. Das Beobachten dieser natürlichen Rhythmen fasziniert uns immer wieder.

Shopping und Maintenance

Mit dem Ende des Ramadan steht bei uns natürlich erst mal eine große Shopping-Tour an: Neben dem Einkauf von frischem Gemüse und weiteren Lebensmitteln ist natürlich ein Besuch im Weinladen fällig 😉 Außerdem brauchen wir frisches Wasser, dieses bekommen wir in der Nachbarschaft einer kleinen Autowaschanlage. Wir dürfen uns einfach mit unserem Schlauch an die Wasserleitung am Haus hängen und los geht’s! Last but not least steht dann noch Tanken auf dem Programm. Der Iran-Krieg macht sich auch hier in der West Sahara bemerkbar: Der Preis für Diesel ist um 20 Cent auf umgerechnet 1,01 Euro gestiegen – für uns Europäer immer noch günstig, aber für die Einheimischen hier eine enorme Teuerungsrate…

Gut versorgt für die nächsten Wochen nehmen wir wieder unseren Platz an den Dünen ein – Goldie freut sich sehr über unsere Rückkehr. Natürlich habe ich auch einen frischen Sack Hundefutter besorgt, schließlich schaut ab und zu auch mal sein Bruder auf einen Snack vorbei. Und der Besitzer kurvt auch gelegentlich am Strand längs und freut sich, dass sein Hund bei uns so gut versorgt wird. Für Berber wie ihn ist es normal, dass der Hund selbst entscheidet, wann er sich wo aufhält – Freiheit hat in der Berberkultur einen hohen Stellenwert.

Zwischendurch müssen wir uns auch mal um die nicht so erfreulichen Dinge des Trucklife kümmern: Eine Leitung von unserem Grauwasser-Sammler ist komplett verstopft, weil bei uns auch der Urin aus der Trockentrenntoilette mit ins Grauwasser geht und es deshalb immer wieder zu Verkalkungen kommt – egal, wie viel Essig wir dazu tun. Also einmal alles auseinander bauen, pümpeln und stökern, bei der Gelegenheit auch die Pumpe komplett demontieren und reinigen und alles wieder zusammensetzen. Nach sechs Stunden läuft es wieder 😉

Zum Abschluss ordentlich Sandsturm

Inzwischen sind wir fast acht Wochen an der Lagune und bereiten uns innerlich so langsam auf den Aufbruch gen Norden vor. Aber zunächst warten wir noch den gigantischen Sandsturm ab, der sich von Osten her über Algerien, Marokko, West Sahara und Mauretanien ausbreitet. Die Satellitenbilder zeigen eine riesige Staubwolke, die dann auch uns erreicht und einhüllt. Das Licht bei einem Sandsturm ist immer wieder faszinierend, gelblich und etwas psychodelisch, man fühlt sich ein bisschen wie in einem Endzeitfilm – oder wie auf dem Mars 😉 Mit der heißen Staubwolke aus der Sahara steigen auch die Temperaturen innerhalb weniger Stunden um fast 10 Grad, so dass wir irgendwann bei 32 Grad in Fred sitzen – mit nur minimaler Belüftung, um zu verhindern, dass wir total einsanden. Aber das gehört einfach dazu und der spektakuläre Ausblick entschädigt absolut dafür.

Ramadan in der West Sahara
Ramadan in der West Sahara

Für uns ist dieses Naturspektakel ein schöner Abschluss unserer Lagunenzeit. Der Blick nach Norden lässt uns hoffen, dass die Phase der Sturzregen nun langsam abgeschlossen ist und wir uns mit schönem Wetter auf den Weg zurück nach Europa begeben können. Mehr dazu im nächsten Monat!

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2 responses to “Ramadan in der West Sahara”

  1. Manuela und Hans

    Wieder mal sehr schöne Bilder und beeindruckende Erlebnisse, die hier zu lesen sind! Freu mich immer wieder die tollen Berichte lesen zu können! Lg Manuela und Hans 🤗

    1. Stefano Kurtius

      Danke euch Beiden!
      Schön, dass es euch gefällt.
      Viele Grüße noch aus Dakhla,
      Stefano & Carola

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