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Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Von Atar geht es für uns zur Wüstenstadt Chinguetti. Die Fahrt findet bei reichlich Sand in der Luft statt, was die Sicht auf den eigentlich spektakulären Ebnou Pass auf dem Hinweg doch sehr einschränkt. In der Nähe von Chinguetti gibt es ein Wiedersehen mit unseren italienischen Freunden sowie zufällige Treffen mit weiteren Overlandern. Ansonsten geben wir uns hier ganz dem Zauber der Wüstenlandschaft hin und stehen am Ende fast zwei Wochen am selben Platz – nur unterbrochen von einer tollen Offroad-Exkursion im Weichsand-Oued Richtung Ouadane.

Karte der Strecke


Ab auf die Rüttelpiste

Bevor wir in Atar aufbrechen, stürzen wir uns hier in den Trubel und gehen im Souk noch frische Lebensmittel einkaufen. Außerdem füllen wir Tank 2, der aktuell ja nur rund 100 Liter Diesel enthält, mit frischem Diesel auf. Und dann geht’s ab in Richtung Chinguetti. Die „Straße“ dorthin ist eine geschobene Piste, die sich aufgrund der häufigen Befahrung durch wunderbares Wellblech auszeichnet – obwohl wir es uns nach den Beschreibungen noch schlimmer vorgestellt hatten. Aber in naher Zukunft wird man wohl leichter nach Chinguetti kommen, denn parallel zur Piste wird eine nagelneue Asphaltstraße gebaut.

Wir ruckeln die gut 80 Kilometer tapfer runter und müssen wieder eine Gebirgskette queren: Die Passage über den Ebnou Pass ist gleichzeitig der ultimative Test, ob mit Fred nun wirklich alles wieder in Ordnung ist. Aber alles geht gut! Die Sicht wird aufgrund des starken Windes und reichlich Sand in der Luft allerdings immer schlechter.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti
Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Als wir schließlich in Chinguetti ins Oued zum Treffpunkt mit unseren italienischen Freunden abbiegen, ist alles in gelben Dunst gehüllt. Deshalb verschieben wir die Besichtigung der Bibliotheken im alten Teil des Ortes auch auf später und sehen zu, dass wir zügig bei Franca und Davide ankommen. Dazu müssen wir allerdings erstmal ordentlich Luft aus den Reifen lassen, denn das komplette Oued besteht aus Weichsand.

Zum Abendessen werden wir von den Beiden mit typisch italienischer Pasta verwöhnt. Und wer sich wundert, warum sie nicht bei uns in Atar geblieben sind: Wir hatten ihnen während unserer Reparaturphase gesagt, dass sie schon mal vorfahren sollen, da ja nicht absehbar war, wie lange das alles dauern würde. Denn ihr Zeitbudget ist enger getaktet als unseres, weil sie noch bis Südafrika fahren wollen. Aber nun sind wir für einen letzten Abend wieder vereint. Sie hatten hier extra auf uns gewartet, damit sie uns im Ernstfall zur Hilfe hätten kommen können, wenn Fred auf der Strecke liegengeblieben wäre. Aber es hat ja alles geklappt!

Chillen im Oued

Am nächsten Morgen heißt es dann endgültig Abschied nehmen, die beiden brechen zur Grenze Richtung Senegal auf und wir bleiben im Oued. Denn nach der Reparaturaktion haben wir das Gefühl, erstmal eine Pause zu brauchen – auch, um die vielen Eindrücke aus den ersten drei Wochen in Mauretanien zu verarbeiten. In den Folgetagen lässt der Wind zumindest phasenweise deutlich nach und der Sand in der Luft setzt sich langsam, so dass wir wieder klare Sicht haben.

Obwohl unser Standplatz gar nicht so weit weg vom Ort ist, stehen wir hier für fast zwei Wochen nahezu unbehelligt, wenn man von zwei kurzen Stippvisiten der Einheimischen absieht. Hinter uns erstreckt sich ein riesiges Dünenfeld und neben uns spendet eine große Akazie in den Morgen- und Mittagsstunden etwas Schatten. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber zwischen 21 – 26 Grad und nachts zwischen 8 – 11 Grad, also sehr angenehm. Ab und zu gibt es tatsächlich mal einen fast windstillen Tag, in der Regel weht es aber ständig, an manchen Tagen auch durchaus heftig. Deshalb haben wir hinter Freds Reifen Kanthölzer gelegt, um das Ausblasen des Sandes unter den Reifen und das daraus resultierende Absacken zu vermeiden.

Viele sind immer wieder erstaunt, dass wir es so lange im Nichts aushalten. Für uns sind aber gerade diese Phasen des Stillstands das Besondere, denn sie erlauben es uns, wirklich in einen Ort einzutauchen und seine Atmosphäre aufzunehmen. Genau aus diesem Grunde ist unser Motto ja auch: „Wir reisen nicht, wir leben unterwegs“. Unser Ziel ist es nicht, so viele Orte wie möglich zu sehen, sondern vielmehr die Orte, die wir sehen, auch intensiv zu erleben. Und Fred ist dafür die ideale Basis: Mit reichlich Vorräten, 450 Litern an Frischwasser, Badezimmer und gemütlichem Wohnkoffer haben wir alles, was wir brauchen – und dazu einen schier unendlichen Vorgarten mit einer fantastischen Landschaft.

Die Faszination der Wüste

Wir erleben in unseren Tagen hier spektakuläre Sonnenuntergänge, die die ganze Landschaft in ein gold-rotes Licht tauchen; klettern auf die hohen Dünen hinter uns und haben von dort einen fantastischen Blick über das schier unendliche Sandmeer, durch das schon die berühmten Karawanen aus Timbuktu nach Chinguetti gezogen sind – und wir genießen die absolute Stille und den Sternenhimmel der Wüstennächte.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Außerdem entdecken wir ein unerwartetes Juwel in dieser Landschaft: Eine in traditionellem Stil erbaute Auberge, deren äußere Baukunst nur noch von ihrer Innenarchitektur übertroffen wird: Mit schicken Polstern eingerichtete Sitzecken, Gemälde und Kunstwerke an den Wänden und ein wunderschön gestalteter, üppig bewachsener Garten – eine wahrhaftige Oase im Sandmeer. Und ausgesprochen luxuriös für dieses arme Land, in denen die Auberges normalerweise eher sehr karg und einfach ausfallen.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti
Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Die Overlander-Welt ist ein Dorf

Und selbst hier im Nichts bekommen wir Besuch! Bei unserer Einreise nach Mauretanien stand direkt vor uns an der Grenze ein MAN G90 – und es stellte sich heraus, dass wir ihn und seine Insassen aus Deutschland kennen. Und zwar sind wir uns dort vor gut 15 Jahren auf einem Overlander-Treffen begegnet, bei dem wir damals noch mit unserem Manni, ebenfalls ein MAN G90, waren. Damit aber nicht genug: Während unseres Diesel-Nervs am auf dem Camping in Atar standen die Beiden dann wieder vor uns und wir hatten uns über unsere weiteren Routen ausgetauscht. Da sie Chinguetti aus der anderen Richtung anfahren wollten, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir uns das dritte Mal über den Weg fahren würden.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti
Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Und so kommt es dann auch: Eines Morgens stehen Anke und Andreas vor uns und wir verbringen zwei schöne Tage mit vielen spannenden Gesprächen zusammen. Es ist immer wieder großartig, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Einblicke in ihre Reiseerlebnisse zu bekommen. Da die beiden allerdings innerhalb der 30-Tage-Visumsfrist wieder aus Mauretanien ausreisen wollen, müssen sie dann weiter, während wir noch etwas im Oued bleiben. Lustigerweise kommen ein paar Tage später noch zwei Franzosen vorbei, die ebenfalls am gleichen Tag mit uns eingereist sind – die Overlander-Welt ist definitiv ein Dorf!

Durch die Weichsand-Pisten Richtung Ouadane


Aber dann ist es auch für uns Zeit für etwas Bewegung und wir brechen zu einer kleinen Exkursion im Oued zwischen Chinguetti und Ouadane auf. Der überwiegende Teil der Pisten hier ist Weichsand, was für großen Fahrspaß sorgt! Da es die Tage vor unserer Tour mal wieder ordentlich gestürmt hat, sind die meisten Fahrspuren verweht und wir müssen uns unsere eigene Route suchen. Dabei enden wir zwischenzeitlich in einem wunderschönen Sanddünenfeld mit lauter großen Akazien dazwischen – eine wirklich traumhafte Landschaft mit Sand bis zum Horizont. Allerdings müssen wir ein bisschen suchen, bis wir eine für Fred geeignete Passage aus dem Dünen- und Akazien-Labyrinth finden – das gehört hier zum Offroadfahren einfach dazu.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti
Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Schließlich treffen wir irgendwann wieder auf die Hauptpiste und kommen von dort aus zügig voran, da keine Steinfelder unsere Fahrt ausbremsen, sondern wir ungehindert die Dünen rauf- und runterbrummen können. Die Landschaft ist ein Traum: Wechselnde Dünen-Kulissen, mal eher gelblich, dann wieder schneeweiß, so dass es in der Mittagssonne wirklich so aussieht, als würden wir durch eine Polarlandschaft rollen. Dazwischen gibt es immer mal wieder größere Felder mit Vegetation: große Büschel von Kamelgras, Akazien und andere Büsche. Generell gibt es in den Tiefen des Oueds offenbar immer noch Wasser, denn die Pflanzen sind alle richtig grün.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Schließlich durchqueren wir eine etwas steinigere Passage zwischen zwei Bergketten und erreichen die Oase Tanouchert. Hier drehen wir um und machen uns auf den Rückweg, wobei es immer wieder faszinierend ist, wie ein und dieselbe Piste aus der anderen Richtung kommend ganz anders aussieht. Zum Schluss wählen wir einen anderen Pistenverlauf, um nicht wieder zwischen den Dünen zu enden – und kommen so an einer großen Wasserstelle mit Viehtränken vorbei, die auch gerade von einigen Eseln besucht werden. Auf den insgesamt 150 Pistenkilometern haben wir neben diesen Eseln nur ein paar Kamele und zwei bis drei einheimische Pickups getroffen.

Sandwüste pur im Oued bei Chinguetti

Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen am Rande des Oueds an einem Dünengürtel und verbringen hier einen weiteren Tag, bevor wir uns dann endlich an die Besichtigung des zum Weltkulturerbe gehörenden Chinguetti machen. Mehr dazu dann im nächsten Blog!

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