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UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Ein Besuch im alten Stadtteil von Chinguetti ist ein absolutes Muss, nicht von ungefähr gehört dieser Ort zum UNESCO Weltkulturerbe. Allerdings ist es hier ein ewiger Kampf gegen den Sand: Das erste Chinguetti ist schon vor vielen hundert Jahren im Sand verschwunden und auch das zweite Chinguetti musste vor gut 30 Jahren erst von der UNESCO aus dem Sand befreit werden. Früher Zentrum der großen Handelsrouten durch die Sahara und Treffpunkt von Gelehrten, wird der alte Stadtteil mit seinen verbliebenen Bibliotheken heute hauptsächlich von Touristen besucht und kämpft wieder gegen das Verschwinden im Sand.

Tourismus und Museum statt Handel und Wissenschaft

Chinguetti wird vom Oued, in dem wir so lange gestanden haben, geteilt: Die Bewohner leben überwiegend im modernen Teil, während der alte Teil mit seiner Moschee und den verbliebenen Bibliotheken als Zentrum des Tourismus die Einkommensgrundlage darstellt. Das macht sich auch direkt bei der Ankunft bemerkbar: Wir haben noch nicht den Motor von Fred abgestellt, als wir von unzähligen Frauen und Kindern umringt werden – wir sollen mit in ihre Läden kommen und etwas kaufen. Die Hartnäckigkeit und das Bedrängen sind als Ausdruck ihres Kampfes ums Überlegen durchaus verständlich, aber trotzdem etwas erschlagend.

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Wir vertrösten sie auf nach unserem Rundgang und brechen zu Fuß auf in die alten Gassen. Am Rande der historischen Gebäude gibt es einfache Hütten und Zelte, in denen ein paar Einheimische leben, in den Gassen stößt man überall auf dubiose Stromkästen mit dem üblichen Kabelwirrwar – und natürlich auf Müll. Überall fliegen leere Plastikflaschen, verlorene Flipflops, Stofffetzen, alte Kartons, Papierfetzen, Reste von Ziegelfell und -hufen sowie vieles andere durch die Gegend. Dieses Müllproblem begegnet einem in Mauretanien wirklich überall, Mülltonnen gibt es nur in Ausnahmefällen – und auch in der Wüste stößt man überall auf die obligatorischen leeren Fischdosen und PET-Flaschen. Man muss lernen, das auszublenden, sonst ist es einfach zu deprimierend.

Der Glanz vergangener Zeiten

In seiner Blütezeit war Chinguetti ein wichtiger Handelsplatz, durch den alle großen Karawanenrouten führten. Hier wurden Tauschgeschäfte mit Salz, Gummi Arabicum und Datteln gemacht und es gab bis zu 20.000 Einwohner. Und als siebtheiligste Stadt des Islam kamen auch viele Pilger und Gelehrte an diesen Ort, viele blieben hier bis zu ihrem Tod und hinterließen ihre Schriftrollen und Bücher – die Grundlage für die einst vielen Bibliotheken, die sich in privater Hand befinden. Von den übriggebliebenen 12 bis 15 Bibliotheken sind heute noch drei geöffnet und ihre Besitzer tun ihr Bestes, um die alten Schriften unter kümmerlichen Bedingungen zu bewahren. Die Papiere lagern in alten Aktenschränken, vermutlich vom französischen Militär, manche sind laminiert, die meisten aber einfach nur irgendwie aufeinandergestapelt.

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti
UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Wir besuchen die Bibliothek Ahmed Mahmoud und bekommen von Saif, dem Eigentümer, einen Vortrag über die Geschichte dieses Ortes. Er zeigt uns Gesellschaftsspiele und Schmuckstücke aus längs vergangenen Zeiten, die alten Schreibgeräte und natürlich diverse Manuskripte. Es wirkt wie ein blasser Schatten einer faszinierenden Vergangenheit, als sich hier Gelehrte aus Welt zum Austausch über Wissenschaften, Religion und Literatur getroffen haben. So gibt es unter anderem alte Dokumente mit Gedichten, in verschiedenen Farben geschrieben, wobei jede Farbe für einen anderen Dichter steht – ein früher WhatsApp Dialog, wie Saif scherzhaft meint.

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Es ist schon traurig zu sehen, wie in einem so armen Land wie Mauretanien trotz Status von Chinguetti als Weltkulturerbe kein Geld vorhanden ist, um diese alten Schätze vor dem vollständigen Verfall zu bewahren. Auch der alte Stadtteil insgesamt droht irgendwann wieder im Sand zu versinken. Auf unserem weiteren Rundgang kommen wir an einem Schild vorbei, welches illustriert, bis zu welchem Level hier alles unter Wüstensand begraben war, bevor es Anfang des Jahrtausends mit Hilfe der UNESCO ausgegraben wurde.

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Die Gebäude im alten Stadtteil sind in der traditionellen Lehmziegelbauweise errichtet, mit wunderschönen Mustern im Mauerwerk. Teils sind noch die alten Eingangstüren, gefertigt aus massivem Akazienholz, vorhanden. Einige wenige Gebäude sind tatsächlich noch bewohnt und wurden entsprechend konserviert. Aber die meisten dümpeln einfach im Wüstensand vor sich hin und auch hier findet sich in den schmalen Gassen überall Müll. Ab und zu kann man einen Blick in einen der alten Patios mit großen Bäumen werfen – vor ein paar Jahrhunderten muss es hier wirklich beeindruckend gewesen sein.

UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti
UNESCO Weltkulturerbe Chinguetti

Die alte Moschee ist noch heute in Betrieb, ihr markanter quadratischer Turm dominiert das historische Stadtviertel. Der Gebetsraum ist ein schlichtes Gebäude, ohne Fußboden oder Teppiche, die Betenden knien im Wüstensand. Und direkt im Nachbargebäude gibt es eine Dachterrasse, auf der man einen wunderbaren Blick über das gesamte alte Stadtviertel hat – den man bei einem Tee genießen kann. Denn selbstverständlich sind hier eine Teestube und kleines Restaurant für die Touristen errichtet worden, draußen auf modernen Plakaten samt Preisliste angepriesen; symbolisch für den Clash of Cultures an diesem Ort.

Zurück nach Atar

Zum Abschluss besuchen wir noch Fatimas kleinen Laden am Dorfplatz. In dem vielleicht 1,5 qm großen Raum haben sich bestimmt sechs Frauen plus diverse Kinder versammelt. Wir quetschen uns irgendwie dazwischen auf den Boden und bekommen erstmal einen typischen mauretanischen Tee serviert, bevor es dann zum Geschäft geht. Jede der Frauen hat ihre Erzeugnisse – Armbänder, Ketten, Ohrringe, Schlüsselanhänger, Datteln und alles mögliche andere – in ein Tuch geknotet dabei. Dieses wird nun auf dem Boden ausgelegt und die Ware ausgebreitet. Ich kaufe einen Armreifen und eine Kette, um zumindest ein bisschen Geld dazulassen.

Dann geht es zurück auf die Wellblechpiste nach Atar. Dafür müssen wir erstmal wieder Luft auf die Reifen füllen, denn im Weichsand des Oueds hatten wir Freds Reifen platt gemacht: 1,8 bar auf der Vorderachse und 2,5 bar hinten. Nun geht es wieder rauf auf Pistendruck mit 3,5 bar vorne und 5,5 bar hinten. Ohne Sandsturm ist die Sicht deutlich besser als auf dem Hinweg, so dass wir auch zügiger über die Bodenwellen fahren können, da wir eventuelle Schlaglöcher rechtzeitig sehen können.

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Und so kommen wir bei der erneuten Querung des Ebnou Passes doch noch ein den vollen Genuss des Panorama-Blicks bei der Abfahrt, der auf dem Hinweg ja komplett in der sandhaltigen Luft verschwunden war: Wirklich beeindruckend. Die „Straße“ ist über den Pass mehr oder weniger asphaltiert, teils mit Schlaglöchern, kleineren Baustellen und diversen Abbruchkanten am Rande. Runter geht es mit 10% Gefälle und ein paar Betonblöcken an der Seite als Absicherung – aber ohne funktionierende Bremen wäre man hier echt verloren!

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Und dann geht es zu einem weiteren Zwischenstopp in Atar, bevor wir zu unserem nächsten Ziel aufbrechen. Wohin es geht, erfahrt ihr im nächsten Blog.

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