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Von Dakhla nach Tarifa

Von Dakhla nach Tarifa

In diesem Monat kommt bei uns mal so richtig Bewegung rein, denn vor uns liegen über 2.000 Kilometer gen Norden: Von Dakhla zum Hafen in Tanger Med und von dort mit der Fähre rüber nach Spanien. Mit jeder Etappe kehren wir in bisschen mehr in die „Zivilisation“ zurück: Mehr Menschen, mehr Lärm. Daran müssen wir uns nach all der Zeit in der Weite und Stille der Wüste erstmal wieder gewöhnen. Nach sieben Monaten in Marokko, West Sahara und Mauretanien sind wir dann Ende April tatsächlich zurück in Europa – vertraut und fremd zugleich.

Abschied von der Lagune

Zum Auftakt des Monats verabschieden wir uns tatsächlich nach acht Wochen von „unserer“ Lagune in Dakhla – und damit auch von Goldie, dem Malinois-Mix. Er bleibt zurück bei seinem Herrchen und seinen Hundekumpeln und wir hoffen sehr, ihn bei unserem nächsten Aufenthalt wiederzusehen. Wir verlassen unser schönes Plätzchen bei Seenebel und leichtem Nieselregen, das macht den Abschied etwas leichter.

Von Dakhla nach Tarifa

Wir haben die Zeit inmitten dieser fantastischen Dünen-Lagunen-Landschaft wirklich unglaublich genossen – und natürlich den Umstand, dass wir hier so lange völlig unbehelligt frei in der Gegend rumstehen konnten. Das macht den Ort für uns auch so besonders: Das eigentliche Zentrum von Dakhla – und damit auch hervorragende Versorgungsmöglichkeiten – liegt rund 35 Kilometer entfernt; und während dort trubeliges Leben herrscht, ist hier nur auf dem Wasser Hochbetrieb in Form von Kite Surfern und sonst einfach nur Stille.

Durch die West Sahara

Unsere erste Etappe geht quasi 300 Kilometer geradeaus durch das weite Nichts der West Sahara bis Boujdour. Hier steuern wir den Camping an, der zwar ziemlich runtergerockt ist, aber eine vernünftige Grauwasser-Entsorgung und einigermaßen heiße Duschen hat, wo man mal wieder etwas länger drunter plantschen kann – einer der kleinen Luxusmomente nach langer Zeit Freistehen in der Wüste, wo Duschen bei uns nur sehr kurz stattfindet, um Wasser zu sparen. In Boujdour verbringen wir das Oster-Wochenende, wobei Ostern für uns hier eher ein Datum ist – und Ostereier gibt’s logischerweise auch nicht 😉

Anschließend geht’s weitere 200 Kilometer durch die West Sahara. Wir machen einen Einkaufsstopp im Marjane in Laayoune. Für uns der erste Besuch in einem richtig großen Supermarkt nach gut vier Monaten und damit auch in gewisser Weise die Rückkehr in die Zivilisation. Die Produktvielfalt ist fast etwas überwältigend, nachdem wir nun so lange an Straßenständen, Garagen-Shops oder Mini Markets eingekauft haben.

Von Laayoune geht es an den gut 20 Kilometer entfernten Küstenort Foum el Foud, wo wir unser Quartier auf einem Strand-Parkplatz mit Meerblick aufschlagen. Der Ort hat einen liebenswerten, morbiden Charme. Es gibt einige alte Villen, die früher einmal wunderschön gewesen sein müssen, jetzt aber verfallene Lost Places sind. Dazwischen stehen dann aber auch Neubauten, ein Surf Shop und verschiedene kleine Cafes und Restaurants – entlang einer gigantischen Promenade mit massiver Beleuchtung. Denn so wie entlang der RN1 durch die West Sahara in Sichtweite überall Militärposten entlang der Küste stehen, wird auch in den Küstenorten der Strand engmaschig überwacht.

Nach ein paar Tagen setzen wir unseren Weg Richtung Norden fort – und machen unsere Tanks nochmal mit dem günstigen West Sahara Diesel voll. Wobei auch hier die Preise aufgrund des Weltgeschehens spürbar angestiegen sind: Haben wir direkt nach unser Rückkehr aus Mauretanien umgerechnet etwa 0,84 Euro pro Liter bezahlt, waren es vor ein paar Wochen schon 1,01 Euro und nun sind es 1,14 Euro. Aus europäischer Sicht klingt das immer noch sehr billig, aber für die Einheimischen hier ist der Preisanstieg ein massives Problem.

Atlantik geht immer

Nächster Stopp ist in Akhfennir, wo wir wieder den tollen Blick von den Klippen entlang der Atlantikküste genießen – und natürlich das Meeresrauschen. Hier herrscht allerdings auch wieder richtig Trubel um uns, so dass wir schon nach einer Nacht weiterfahren und uns 240 Kilometer später ein ruhiges Plätzchen etwas südlich von Guelmim suchen. Es ist eines dieser Neubaugebiete vom Reißbrett, mit Straßen, Straßenlaternen und Stromanschlüssen – und sonst nichts. Wir nutzen diesen Platz seit drei Jahren und mittlerweile hat die Natur das Areal in großen Teilen zurückerobert und wir sind umgeben von viel Grün. Aber die noch vorhandenen Asphaltflächen bieten den idealen Untergrund, um Fred mal wieder abzuschmieren – dass hat er sich nach den vielen Offroad-Kilometern mehr als verdient.

Frisch geschmiert geht’s 65 Kilometer weiter bis Sidi Ifni. In dem kleinen Küstenort waren wir bereits 2023, damals noch mit TomTom und uns hat die entspannte Stimmung mit den Surfer Vibes dort sehr gut gefallen. Die Unterstadt rankt sich mit ihren blauweißen Häusern und malerischen Gassen entlang der Berge und endet direkt am Atlantik. Wir beziehen wieder Quartier auf dem Camping direkt am Meer, denn hier gibt es neben dem Atlantikblick außerdem Free WiFi und heiße Duschen mit ordentlich Wasserdruck. Der Gesamtzustand ist eher renovierungsbedürftig, aber das stört uns nicht – schließlich wohnen wir ja in Fred.

Von Dakhla nach Tarifa

Und das Beste: Schräg gegenüber des Campings befindet sich die Bar eines der größeren Hotels vor Ort. Und Bar heißt hier auch wirklich Bar: Es gibt alles an Getränken, was man sich vorstellen kann – das zieht nicht nur Ausländer an, sondern auch viele Einheimische zählen zu den Gästen. Die Terrasse mit Meerblick lässt keine Wünsche offen – und wir fühlen uns fast schon wie in Spanien. Nachdem wir den ersten Tag noch blauen Himmel und Sonnenschein haben, versinkt Sidi Ifni die nächsten beiden Tage komplett im Seenebel, der sich an den hinter der Stadt aufragenden Bergen fängt und überhaupt nicht abzieht. Davon lassen wir uns als Norddeutsche nicht abschrecken, schließlich sind immer noch über 20 Grad. Aber vor allem genießen wir unsere Aufenthalte in der Bar, wo es auch einfaches, aber sehr leckeres Essen gibt – solche Gastro-Besuche haben wir in den vergangenen Monaten schon ein bisschen vermisst.

Es wird immer grüner

Unsere Weiterfahrt führt uns über die gewundene Küstenstraße, deren Hügel mit immer üppigerem Grün bewachsen sind. Bereits auf der Strecke von Guelmim nach Sidi Ifni konnten wir diese drastische Veränderung im Landschaftsbild beobachten, die nun immer stärker ausgeprägt wird: Büsche, Eukalyptus, jede Menge Blumen – wir haben nun definitiv die Wüste hinter uns gelassen und bewegen uns im fruchtbaren Küstenland.

Es geht schließlich zurück auf die RN1, auf der wir ein bisschen Kilometer machen, bevor wir in der Nähe von Sidi Bibi wieder Richtung Küste abbiegen. Unser Ziel: Der Stellplatz eines Franzosen, auf dem wir ebenfalls bereits vor drei Jahren waren. Das Ganze ist im Wesentlichen ein großes Grundstück mit üppigem Naturbewuchs. Es gibt Stellplätze, von denen die meisten jetzt aber ziemlich zugewachsen sind, und wohl auch Duschen und WCs, die wir aber noch nie besichtigt haben – denn wir bevorzugen die sogenannte Area Liberté. Auf diesem Teil des Geländes steht man ohne jegliche Services, aber dafür mitten in der Natur, umgeben von Vogelgezwitscher, Schmetterlingen, Echsen – und schattenspendendem Eukalyptus. Für uns perfekt und TomTom hat es damals auch geliebt. Es ist ein wirklich spezieller Ort mit einem noch spezielleren Host, aber uns gefällt es.

Mit unserer Ankunft ist gleichzeitig auch der Sommer eingetroffen, wir haben während der drei Tage auf unserem Naturplatz durchgängig über 30 Grad im Schatten. Wir nutzen die Idylle zum Chillen, Grillen – und für eine Reparatur. Denn bei unserer Ankunft war uns aufgefallen, dass Fred Druckluft verliert. Einer der Schläuche hat sich offenbar bei den vielen rütteligen Pistenkilometern an der Stahleinfassung des Motors aufgerieben und bedarf nun der Abdichtung. Und wir lassen unser 11kg Gasflasche auffüllen – mit der hier gängigen Über-Kopf-Häng-Methode und zum sensationellen Preis von 18 Euro (Freunde in Portugal haben uns berichtet, dass ein Refill dort aktuell 40 Euro kostet!!!).

Über Oualidia nach Assilah

Bis zu unserem nächsten Stopp in Oualidia müssen wir erstmal knapp 400 Kilometer zurücklegen und erhaschen dabei noch einen Blick auf die Ausläufer des Atlas, auf deren Gipfeln noch deutliche Schneefelder zu erkennen sind – während wir bei 34 Grad vorbeirollen. Verrückt! In Oualidia stehen wir zwar nicht in Sicht-, aber immerhin in Hörweite des Atlantiks auf einem bewachten Parkplatz in der Unterstadt. Von hier aus sind wir in fünf Minuten an einem wunderschönen Strand bzw. an der Lagune – und auch hier findet sich wieder ein Hotel mit Bar! Auch dieser kleine Ort hat eine sehr charmante Atmosphäre und man fühlt sich ein bisschen wie in der Sommerfrische.

Von Dakhla nach Tarifa
Von Dakhla nach Tarifa

Und dann liegt die letzte große Etappe vor uns: 500 Kilometer bis Assilah. Wir nehmen dafür die gebührenpflichtige Autobahn, die insgesamt 25 Euro für die Strecke sind für den damit verbundenen Fahrkomfort definitiv ok. Nach rund sieben Stunden rollen wir dann auf den Camping in Assilah und haben damit die letzte Station erreicht. Wir gönnen uns noch zwei sehr entspannte Tage hier, entdecken ein wunderbares Fisch-Restaurant mit einer hervorragenden Weinkarte und genießen abends bei einem Bier das bunte Treiben auf den Plätzen. Jetzt fühlt es sich definitiv an, als wären wir schon in Spanien.

Von Dakhla nach Tarifa

Zurück in Europa

Unser letzter Tag beginnt grau und mit Regen, die letzte Etappe bis zum Hafen in Tanger Med ist in dicken Nebel gehüllt. Zuvor haben wir unsere Tanks nochmals bis zum Rand gefüllt, hier im Norden Marokkos liegt der Diesel-Preis inzwischen bei 1,45 Euro – immer noch deutlich günstiger als in Europa. Am Hafen erwerben wir direkt am Schalter unser Fährticket (denn da wir auf dem Hinweg ja aus Frankreich gekommen sind, haben wir dieses Mal kein Retourticket von Carlos) und haben Glück, den letzten Platz auf der nächsten Fähre zu erwischen.

Die Ausreise in Marokko und die Einreise in Spanien verlaufen total entspannt, genauso wie die Überfahrt. Und dann sind wir nach sieben Monaten in Afrika wieder zurück in Europa und gefühlt endgültig in einer ganz anderen Welt. Irgendwie ein komisches Gefühl. Natürlich steuern wir als erstes Ziel – wie immer – Tarifa an. Und hier haben wir dann ein paar Tage später auch direkt etwas zu feiern: Meinen (Carola’s) Geburtstag. Wie unsere Gewöhnung an Europa ansonsten so läuft, berichten wir dann im nächsten Monat!

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