Da uns die Offroadpiste entlang der Eisenerzbahn auf dem Hinweg so gut gefallen hat, beschließen wir, sie auf dem Rückweg einfach noch mal zu fahren – nur eben aus der anderen Richtung von Choum kommend. Und auch beim zweiten Mal ist der Iron Ore Track ein großartiges Erlebnis! Vor allem wirkt ein und dieselbe Piste, aus der entgegengesetzten Richtung und bei anderem Sonnenstand befahren, an vielen Stellen wie eine neue Strecke. Das Beste ist aber, dass wir so nochmals ein paar Nächte an den Monolithen Ben Aischa und Ben Amira verbringen können – dieses Mal sogar bei Vollmond!
Von Choum zum Ben Aischa
Nachdem wir in Atar unsere Vorräte aufgestockt haben, sind wir bereit für die letzte Etappe. Es geht zunächst auf Asphalt über das Adrar Massiv wieder zurück nach Choum, wo die Offroad-Piste entlang der Eisenerzbahn beginnt. Das übliche Procedere: Reifendruck runter, denn aus dieser Richtung kommend erreichen wir zügig die herausfordernden Weichsandfelder – nur, dass wir die dieses Mal nicht bergauf, sondern bergab durchpflügen, was natürlich einfacher ist. Das letzte Dünenfeld erstreckt sich bis unmittelbar an die die Gleisquerung rüber zum Ben Amira und hier zeigt sich, dass die Harmattan-Saison so langsam beginnt. Ab Februar nehmen diese kräftigen Saharawinde zu und hüllen alles in Dunst und Staub.





Und vor allem verwehen sie die Pisten innerhalb kurzer Zeit komplett, so dass man sich seinen Weg neu suchen muss – wobei das hier dank Bahnlinie und Ben Amira in Sichtweite einfach ist.







Dieses Mal wollen wir uns einen Stellplatz in der Nähe des Ben Aischa suchen, der uns bereits beim ersten Mal mit seinem Skulpturenpark verzaubert hat. Wir parken mit Blick auf die markante Felsspalte ein, die den Ben Aischa als weiblichen Monolithen charakterisiert. Vom frühen Nachmittag bis zum Sonnenuntergang können wir ein beeindruckendes Farbenspiel auf dem Felsen beobachten, das am Ende den Monolithen in einem wunderbaren, rötlichen Licht erstrahlen lässt – und dann mit dem Versinken der Sonne langsam erlischt.



Kaum wird es dunkel, hören wir plötzlich ein Heulen. Erst ist es nur eine Stimme, dann fallen weitere ein. Es hat etwas mystisches. Sehen können wir die Urheber aber nicht, nur ihr Geheule ertönt in wiederkehrenden Schüben. Es klingt wie Wolfsgeheul – und wie wir später erfahren werden, handelt es sich um den Afrikanischen Goldwolf. Ein tolles Erlebnis!

Das eigentliche Spektakel fängt aber erst mit dem Aufgehen des Mondes an. Wir sind einen Tag nach Vollmond und er hat noch seine volle Strahlkraft. Da er hinter dem Monolithen aufsteigt, trifft er zunächst von oben auf den Felsen, wobei die charakteristische Spalte im Schatten liegt.



Und dabei vollzieht sich ein schon fast gespenstisches Schauspiel: Je länger ich auf den Monolithen schaue, umso mehr wirkt die Spalte wie ein schwarzes Loch, das in seinem Inneren einen scheinbaren Wirbel mit einem unaufhaltsamen Sog aufbaut, mit dem es die Landschaft in sich aufsaugen will. Es ist ein surreales, unvergessliches Erlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Der Ben Aischa ist definitiv ein magischer Ort.
Im Schatten des Ben Amira
Natürlich wollen wir auch noch ein paar Nächte am Ben Amira verbringen und suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen an seiner Seite. Auch er erstrahlt im Mondlicht, wirkt aber im Gegensatz zum Ben Aischa eher wie ein riesiger, friedlich schlafender, schwarzer Drache. Auch hier hören wir wieder das Geheule und als wir am Tag darauf einen vorbeiziehenden Ziegenhirten danach fragen, sagt er, dass es der Afrikanische Goldwolf sei – gefährlich für seine Ziegen, weshalb er auch mehrere Hunde dabeihat, um sie bei Sonnenuntergang zügig nach Hause treiben zu können.







Wir haben hingegen beim abendlichen Sonnenuntergangs-Draußensitzen das große Glück, dass plötzlich in unserer unmittelbaren Nähe ein Goldwolf auftaucht. Der Wind steht so, dass er uns nicht riecht und so geht er ganz entspannt seiner abendlichen Schnüffelrunde durch sein Revier nach. Wir sind ganz verzaubert!

Ein letztes Mal ab in die Dünen
Nach einigen Tagen an den Monolithen geht’s dann wieder zurück auf die Piste, auf der an diesem Tag gerade „Hochbetrieb“ aus der Gegenrichtung ist. Erst treffen wir zwei Fahrzeuge und dann noch mal drei Exmos, mit denen wir jeweils einen kurzen Plausch halten. Und ehe wir es uns versehen, haben wir dann auch schon die Weichsandfelder von Tmeimichat hinter uns. Nach gut der Hälfte der Strecke suchen wir uns einen Übernachtungsplatz an einigen schwarzen Felsen, bevor dann der letzte Part beginnt.









Vom Hinweg wissen wir ja schon, dass es gut 30 km vor dem Ende der Piste nochmal richtig schöne große Sanddünen gibt – und genau dort wollen wir noch ein paar Tage verbringen. Wir suchen uns eine extra große Sicheldüne aus und kuscheln uns in ihr Halbrund, denn die kommenden Tage ist Sandsturm angesagt. Es ist immer wieder so faszinierend, dem Sand beim Wandern zuzuschauen: Wie der Wind ihn über den Dünenkamm bläst, er sich auf der anderen Seite aufstaut und in Platten langsam runterrutscht und die Düne so unaufhaltsam ihre Position verändert. Unser Übernachtungsplatz vom Hinweg liegt quasi um die Ecke, ist aber in den letzten beiden Monaten durch den veränderten Dünenverlauf fast verschwunden.





Wir verbringen mehrere Tage inmitten der Dünen und bekommen jeden Abend einen beeindruckenden Sonnenuntergang zu sehen. Diese Tage ganz allein mitten im Nirgendwo in der Wüste sind für uns immer wieder großartig: Man ist komplett abgekoppelt von dem Rest der Welt, umgeben von der Weite und Stille der Wüste und damit ganz auf sich selbst konzentriert. Beim Herumwandern zwischen den Dünen entdeckt man immer neue, bizarre Sandverformungen und der Blick über das Dünenmeer hat etwas hypnotisierendes.



Für uns ein wunderbarer Abschluss des Iron Ore Tracks, den wir damit nun ein zweites Mal gefahren sind – und vermutlich wird das nicht das letzte Mal gewesen sein 😉 Unsere Zeit in Mauretanien neigt sich nun langsam dem Ende zu, wobei wir natürlich erst einen Bruchteil dieses riesigen Landes gesehen haben. Deshalb kommen wir auch bestimmt wieder, um noch viele weitere Facetten von Mauretanien kennenzulernen. Wie der Grenzübergang zurück verläuft, erfahrt ihr dann im nächsten Blog!





2 responses to “Wir fahren die Erzbahnpiste ein zweites Mal”
Wieder einmal ein toller Bericht! Hoffentlich klappt es mit dem Link jetzt 😉
Danke Euch!
Und Viele Grüße nach Altona.