Nach unserer Rückkehr aus Mauretanien geht es für uns nach reichlicher Aufstockung unserer Vorräte wieder zu „unserem“ Plätzchen an der Lagune bei Dakhla. Hier verbringen wir den Rest des Monats, treffen einen Reisebekannten aus Mauretanien wieder, ziehen an einen Lost Place um und werden von einem Einheimischen zum traditionellen Fastenbrechen während des in diesem Monat gestarteten Ramadan eingeladen. Tierische Gesellschaft haben wir auch. Und: Wir vollenden das siebte Jahr in Fred!
Erstmal ordentlich Shoppen!
Wir sind bewusst kurz vor Beginn des Ramadans nach Marokko zurückgekehrt, um noch einmal richtig einkaufen zu gehen, bevor das öffentliche Leben während des Ramadans am Tag ziemlich zum Erliegen kommt – und die Spirituosen-Quellen versiegen 😉 Der Ramadan ist der neunte und heiligste Monat im islamischen Mondkalender, sein Beginn wird durch die Sichtung der Mondsichel bestimmt und ist in diesem Jahr für den Abend des 18. Februar vorhergesagt. Während des Fastenmonats verzichten die Muslime täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken – und auch als Besucher des Landes sollte man in dieser Zeit aus Respekt auf öffentliche Nahrungsaufnahme verzichten. Viele Geschäfte – insbesondere im Süden von Marokko – sind währen dieser Zeit tagsüber geschlossen und machen in der Regel erst am späten Nachmittag wieder auf, damit die Menschen für das abendliche Fastenbrechen einkaufen können.




Deshalb ging es für uns noch kurz vor dem Ramadan zügig nach Dakhla zum Großeinkauf. Dabei mussten wir allerdings feststellen, dass der Laden, in dem wir uns seit drei Jahren mit Wein eindecken, offenbar aufgegeben wurde – aber zum Glück finden wir eine Alternative. Die beiden Jungs, die den neuen Landen betreiben, sind bestens ausgestattet und neben uns gibt es auch den ein oder anderen einheimischen Kunden 😉 Außerdem kaufen wir natürlich frisches Gemüse, Brot, Fleisch und weitere Lebensmittel.
Chillen mit Meerblick
Damit sind wir bestens für die nächsten Wochen versorgt und beziehen wieder unseren alten Platz an der Lagune, wobei wir hier dieses Mal nicht ganz allein sind: Zwei junge Schäferhund-Malinois-Mixe leisten uns immer wieder Gesellschaft. Sie scheinen Brüder zu sein und sind beide sehr freundlich – und natürlich hungrig. Für solche Fälle haben wir nach wie vor immer Hundefutter an Bord, das von Brownie und Goldie (so haben wir sie genannt) dankbar verschlungen wird.






Das Wetter ist – wie eigentlich fast immer in Dakhla – meistens recht stürmisch, so dass wir es uns überwiegend drinnen gemütlich machen. Dank gut gefülltem Kühlschrank und Kühltruhe kann ich mich mal wieder so richtig bei diversen Koch-Experimenten austoben, wobei es auch mal einen norddeutschen Klassiker wie Labskaus gibt!



Wir genießen die Stille und Abgeschiedenheit und lassen erstmal die ganzen Erlebnisse aus Mauretanien sacken bzw. verarbeiten sie für diesen Blog, den wir während der Zeit etwas haben schleifen lassen. Dafür müssen erstmal Berge von Fotos gesichtet, Texte geschrieben und dann die eigentliche Beiträge für unsere Webseite gebaut werden – da sind die Tage gut gefüllt.
Und wir begehen in dieser Zeit auch den ersten Todestag von TomTom. Er fehlt uns immer noch sehr und es vergeht eigentlich kaum ein Tag, an dem wir nicht von ihm sprechen. Ein Leben ohne Hund fühlt sich für uns irgendwie unvollständig an, Hundebesitzer werden verstehen, wovon wir reden…
Umzug an einen Lost Place
Und dann steht plötzlich Besuch vor der Tür: Jürgen und sein Hund Castor. Die beiden hatten wir auf dem Hinweg hier das erste Mal getroffen, dann sind wir uns in Mauretanien wieder über den Weg gefahren und nun hier das dritte Mal. Er hat von einem der lokalen Fischer acht wunderschöne Zebra-Meerbrassen geschenkt bekommen und schlägt vor, diese gemeinsam zu Grillen. Ein windgeschütztes Plätzchen hat er dafür auch schon im Blick: Nicht weit von uns gibt es einen Lost Place in Form eines noch nicht fertig gebauten und langsam wieder im Sand versinkenden Surf Camps, vor dem man gut und relativ windgeschützt stehen kann – und dabei einen super Blick über die Lagune hat.










Also ziehen wir um und verbringen zwei schöne Tage mit den Beiden. Die Fische sind wirklich ganz hervorragend und am Tag darauf ist es ab nachmittags tatsächlich mal fast windstill (eine echte Seltenheit an diesem Spot), so dass wir bis weit nach Sonnenuntergang draußen sitzen können – und zur Abwechslung mal Fleisch in Form von Merguez auf den Grill kommt.





Uns gefällt es so gut an dem Lost Place, dass wir nach Jürgens Weiterfahrt für den Rest des Monats hierbleiben 😉 Goldie und Brownie finden uns hier auch wieder und verbringen die Tage mit uns. Vor allem Goldie findet so richtig Gefallen an der täglichen Futterversorgung. Da unser Trockenfutter so langsam zur Neige geht, koche ich jede Menge Reis, um das Ganze etwas zu strecken. Außerdem entdeckt Goldie unser Podest als Aussichtsposten, um die Geschehnisse am Lost Place im Überblick zu behalten.



Einladung zum Iftar
Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass die beiden Hunde auch einen Besitzer haben: Ein Berber, der mit seiner Familie ganz in der Nähe wohnt und anscheinend als Wächter immer mal nach dem Rechten am Lost Place sieht bzw. seine Hunde hier hat. Eines Nachmittags lädt er uns zu sich nach Hause ein – solche Begegnungen sind genau das, was das unterwegs sein immer wieder so besonders macht. Wir steigen in seinen Jeep und ab geht’s über den Strand! In seiner kleinen, einfachen Behausung treffen wir noch auf zwei junge Marokkaner, die in Frankreich aufgewachsen sind und aktuell auf Urlaub in Dakhla sind. Also eine bunt gemischte Runde!



Wir unterhalten uns angeregt in einem Mix aus Englisch und Französisch, wobei unser Gastgeber hauptsächlich Arabisch spricht, da helfen die beiden Jungs dann mit der Übersetzung. Nach dem Sonnenuntergang findet das traditionelle Fastenbrechen (Iftar) mit süßem Gebäck, Datteln und Harira Suppe statt, zu dem wir alle eingeladen werden. Dazu gibt es noch selbstgemachte „Smoothies“ in den Geschmacksrichtungen Avocado, Banane und Orange – und natürlich Tee. Insgesamt verbringen wir gut 3,5 Stunden zusammen, ein wirklich schönes Erlebnis.
Schon sieben Jahre Tucklife!
Als Kontrastprogramm besuchen wir einige Tage später mal wieder das Kite Surf Ressort auf der anderen Seite der Lagune. Hier ist vom Ramadan nichts zu spüren, sondern Küchen- und Barbetrieb laufen für die überwiegend europäischen Gäste unverändert weiter. So können wir einen schön gekühlten Weißwein auf der Terrasse mit Blick über die Lagune genießen!



Zwischendurch haben wir auch kurz ein bisschen Aktion, weil sich zwei Kite Surfer mit ihrem Mietwagen im Sand am Strand festfahren. Es gibt hier ein paar Pisten, die sich auch mit einem Pkw befahren lassen, aber ohne Allrad sollte man auf Touren durch die Weichsandpassagen lieber verzichten – oder darauf hoffen, dass ein Exmo zur Rettung in der Nähe ist 😉



Und mit Ablauf dieses Monats geht gleichzeitig bereits unser siebtes Jahr in Fred zu Ende. Nach wie vor sehen wir unsere Entscheidung für das Trucklife als die beste unseres Lebens an und genießen immer noch jeden Moment in unserem mobilen Zuhause – auch wenn das letzte Jahr als erstes Jahr ohne TomTom unser schwierigstes war. Wir werden auch zukünftig unserem Motto „Wir reisen nicht, wir leben unterwegs“ folgen und dort verweilen, wo unser Herz uns hinzieht.





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