Zum dritten Mal in drei aufeinanderfolgenden Jahren sind wir nun in Marokko, denn wir haben noch lange nicht alles von diesem faszinierenden und vielseitigen Land gesehen. Dieses Mal starten wir unsere Tour – ausgehend von Nador – im Osten und folgen der algerischen Grenze nach Süden. Und wir nehmen an einem coolen Offroad-Event teil: Pizzas on the piste! Zum Ende des Monats haben wir dann nach verschiedenen Stopps die großen Sanddünen des Erg Chebbi erreicht.
Karte der Strecke
Von Sète nach Nador in 42 Stunden
So schnell wie dieses Mal haben wir es noch nie in den Süden geschafft. Vom ersten Stopp in Belfort ging’s über Domblancs, Saulce-sûr-Rhône und Florensac zügig in Richtung Frankreichs Mittelmeerküste. Dabei haben wir in Domblancs noch ein kulinarisches Wochenende mit frischen Baguettes, Croissants, Tartes und hausgemachten Merguez eingelegt und bei Florensac auf einem schönen kleinen – wenn auch für Fred etwas schwer zugänglichem – Weingut übernachtet. Von dort aus war es dann nur noch eine Dreiviertelstunde bis zum Hafen in Sète.







Das Einchecken verlief super unkompliziert: Online-Buchungsbestätigung mit QR-Code am Tor vorzeigen, Tickets für uns und Fred in Empfang nehmen und nach etwas Wartezeit auf die Fähre rollen. Da die Fahrzeit gut 42 Stunden beträgt, haben wir uns eine Außenkabine gegönnt. Außerdem gibt es einen netten Barbereich, ein großzügiges Achterdeck und ein italienisches Restaurant – klar, GNV ist ja auch eine italienische Fährgesellschaft. Die Zeit vergeht wie im Flug, wir genießen die Annehmlichkeiten des Lebens an Bord und schon kommt die marokkanische Küste in Sicht.






Bereits am ersten Abend auf der Fähre hat ein Zollbeamter die Fahrzeuge (also Truck und Motorrad) im Pass eingetragen. Wie üblich, sitzt er in einem kleinen Kabäuschen in der hintersten Ecke 😉 Man bekommt dabei eine kleine Karte mit QR-Code, die bei der Ausreise wieder abgegeben werden muss. Im Hafen von Nador kommen dann mehrere Zollbeamte mit Laptops an Bord und wir bekommen unsere Einreisestempel in den Pass. Alles verläuft sehr entspannt, auch die kurzeitig fehlenden Einreisekarten, die per Hand auszufüllen sind, werden zügig organisiert.


Von Nador Richtung Osten
Runter vom Schiff, weiter zur Zollkontrolle an Land. Wir geraten an einen sehr netten Beamten, der nur einen kurzen Blick in Freds Wohnraum und die Garage wirft und uns dann durchwinkt. Super, kein Scanner! Vom Hafen geht’s direkt ins Stadtleben, wo wir erstmal eine Bank ansteuern, um Geld zu wechseln. Da Nador unmittelbar an die spanische Enklave Melilla angrenzt, werden wir hier auch erstmals der Flüchtlingsproblematik ansichtig. Viele junge Menschen versuchen verzweifelt, von hier aus irgendwie nach Europa zu gelangen. So wird Fred auch gleich von mehreren Jugendlichen als Trainingsfahrzeug genutzt, um das Aufspringen auf den Unterfahrschutz während der Fahrt zu üben (eine gängige Methode, um dann zu versuchen, versteckt unterm Truck nach Melilla zu gelangen) – bis wir es mit Nachdruck unterbinden.



Wir umfahren das Zentrum von Nador im Norden, unser Ziel ist das 50 km entfernte Camp Riad Ocean View. Und der Name ist tatsächlich Programm: Wir stehen zwischen lauter Olivenbäumen und haben einen fantastischen Blick auf’s Mittelmeer. Hier treffen wir auch andere Reisende von der Fähre wieder und mit zweien davon, Peter und Jutta, verbringen wir die nächsten Tage. Wir genießen das Essen im Camp und fahren einmal gemeinsam in ein kleines lokales Fischrestaurant an der Küste. Hier sucht man sich etwas vom frischen Fang aus und das wird dann frisch zubereitet. Dazu gibt’s Brot, Salat und Pommes. Sehr lecker! Peter und Jutta sind seit rund 40 Jahren in Nord- und Westafrika unterwegs und haben viel Spannendes zu erzählen.



Abdel, der Besitzer vom Camp, organisiert uns außerdem noch eine Internetkarte, so dass wir dann erstmal mit allem Wichtigen versorgt sind. Wir fahren weiter an der Küste entlang Richtung Osten, bis die Straße dann hinter Saidia entlang der algerischen Grenze nach Süden abbiegt. Man kann den Grenzwall und die Wachtürme ganz deutlich erkennen – wirklich schade, dass eine Grenzquerung hier schon lange nicht mehr möglich ist.
Hinter Oujda biegen wir nach rechts ins Hinterland ab, wo wir uns abends mit Peter und Jutta an einem Oued mit kleinen Wasserfällen wiedertreffen. Sehr lauschig, so dass wir gleich mal einen Tag länger bleiben – auch, weil wir uns beide auf der Fähre offenbar eine richtig üble Erkältung aufgesackt haben, die wir ein bisschen auskurieren wollen.



Dann geht’s über Tendrara, Bouarfa und Mengoub weiter gen Süden, bis die Straße – wieder ganz dicht an den Grenzbefestigungen zu Algerien – nach Westen abbiegt. 20 km weiter hatten wir uns an einer Bergkette einen Nachtplatz ausgesucht, der sich auch als sehr malerisch entpuppte. Bis dann Zivilpolizei auftauchte und sagte, dass wir hier nicht stehen können. Uns war schon bei der Polizeikontrolle beim Abbiegen auf die Seitenstrecke aufgefallen, dass der Kollege dort nicht so wirklich mit unserer Fahrtrichtung einverstanden war. Tja, so ist das eben manchmal.




Wiedersehen mit Marie und Hamid
Wir packen also zusammen; dumm nur, dass es bereits kurz vor Sonnenuntergang ist. Nachtfahrten versuchen wir in Marokko möglichst zu vermeiden, einfach weil es so viele unbeleuchtete Verkehrsteilnehmer – Hunde, Esel, Menschen, Mopeds, Karren etc. – gibt. Nützt ja nun aber nichts, in gut 50 km soll ein Camping sein. Und so landen wir im Camp Rekkam Boudnib, ein sehr liebevoll gestalteter Platz mit Restaurant, Bar (mit Wein und Bier!), großen Stellplätzen und Hütten. Wir machen uns einen schönen Abend und wären auch gerne noch länger geblieben – wenn wir nicht verabredet gewesen wären.



So geht es für uns nächsten Tag weiter zu Marie und Hamid im Ziz Tal. Hier waren wir letztes Jahr mit TomTom und haben mit den Beiden eine tolle Zeit verbracht. Deshalb wollten wir sie auch unbedingt wieder besuchen. Beim leckeren Essen von Hamid tauschen wir uns wieder sehr angeregt über Gott und die Welt aus und genießen die gemeinsame Zeit. Und dann kommt schon der nächste Termin!
Pizzas on the Piste:
Offroad vom Feinsten
Wir haben uns nämlich bereits aus Deutschland bei einem Offroad-Event angemeldet: Pizzas on the piste. Organisiert wird es von dem Briten Mark White, der hier in Marokko 4×4 Touren anbietet und dieses Event nun zum 4. Mal macht. Man weiß vorab nur grob, in welcher Region die Veranstaltung stattfindet, die konkreten GPS-Koordinaten bekommt man erst 24 Stunden vorher. Von Marie und Hamid aus sollen es ca. 49 km sein, davon 38 km Offroad. Für die Offroad-Strecke brauchen wir am Ende fast vier Stunden – was viel über die Beschaffenheit der Pisten aussagt!











Es geht durch eine fantastische Berglandschaft durch unzählige Oueds stetig bergauf. Ist die Piste anfangs noch ganz gut zu befahren, wird sie schnell immer steiniger und holpriger und die Auf- und Abfahrten in den Oueds sind teilweise steil, versandet, ausgespült und verwunden – oder alles gleichzeitig. Da sind 10 km/h schon schnell! Als wir denken, das Plateau endlich erreicht zu haben, kommt noch eine besondere Herausforderung: Das letzte Stück ist richtig steil mit Felsstufen, über die wir nun irgendwie nach oben müssen. Zum Glück ist Stefano bei so etwas immer sehr entspannt, ganz im Gegensatz zu mir…

Doch am Ende haben wir es geschafft, und es liegen nun nur noch 15 km übelste Buckelpiste vor uns 😉 Aber dann!!! Wir erreichen endlich die Location, die zwischen mehreren Bergketten in einem malerischen, ausgetrockneten Flussbett liegt. Insgesamt werden wir am Ende 32 Fahrzeuge und 53 Teilnehmer sein. Die Organisatoren haben einen Pizzaofen in einer Art Schrank sowie alle Zutaten mitgebracht und dann geht’s ans Pizza bauen. Es ist sehr lecker, wir lernen viele interessante Menschen kennen und ein großes Lagerfeuer gibt es natürlich auch. Eine wirklich gelungene Veranstaltung und für 2026 wärmstens zu empfehlen!

Am kommenden Tag brechen alle wieder auf – nur wir bleiben am Ende noch eine ganze Woche hier stehen. Einfach, weil es so schön und abgelegen ist, man hört nichts außer dem Wind und dem Rieseln von Sand und nachts leuchtet die Milchstraße über uns. Einfach großartig, genau solche Momente lieben wir so sehr in Marokko.
Ab in die Dünen
Wir beschließen, nicht die Piste wieder zurückzufahren, die wir gekommen sind, sondern nehmen einen Track gen Norden nach Boudnib. Er ist nicht so ruckelig und bietet zudem ein paar sehr schöne sandige Passagen. Und so schlagen wir erneut bei Khadija im Camping Rekkam Boudnib auf – und dieses Mal bleiben wir dann auch tatsächlich ein paar Tage und genießen das wirklich hervorragende Essen im Restaurant. Und wir lernen noch Bojan und Mateja aus der Slowakei kennen und verbringen einen interessanten Abend miteinander.







Dann zieht es uns weiter Richtung Süden. Ziel ist Merzouga mit seinen großen Sanddünen. Wir steuern hier wieder das „La Rose de Dunes“ an, eine Kashba mit einem großen, zu den Dünen hin offenen Stellplatz. Hier waren wir bereits zweimal mit TomTom, damit ist dieser Aufenthalt auch mit Wehmut gepaart. Denn auch nach acht Monaten schmerzt sein Verlust immer noch sehr…




Aber es gibt auch schöne neue Begegnungen: Wir treffen Claudia und Werner mit Hündin Mira, die ebenfalls in einem MAN unterwegs sind. Es passt sofort mit uns und wir verbringen zwei wunderbare Abende miteinander – bei vielen Geschichten und gutem Essen (die beiden machen Schweinebraten mit Rotkohl und Knödeln für uns).





Zum Abschluss decken wir uns in Merzouga mit frischen Lebensmitteln ein, denn ab hier soll es Offroad nach Zagora gehen – dazu dann mehr im nächsten Monat!





2 Antworten zu „Zurück in Marokko“
Klasse geschrieben! Tolle Bilder und die Karte dazu. Nun wissen wir genau welche Route ihr gefahren seid. Das ist prima!!! Wir wünschen Euch weiterhin tolle Routen. Liebe Grüße aus Hamburg von uns 3 Bisous
Vielen lieben Dank aus der Wüste