Sorry! Google hat hier übersetzt:-)
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Vom Stausee bei Ouarzazate in den Hohen Atlas

Nach dem vielen Sand der letzten Wochen steht nun mal was anderes auf dem Programm: In Ouarzazate gibt es plötzlich ganz viel Grün und einen großen Stausee, an dem wir eine Woche mit neuen vierbeinigen Freunden verbringen und von denen einer uns ganz besonders ans Herz wächst. Nach einem schweren Abschied geht es dann weiter in die grandiose Kulisse des Hohen Atlas, wo wir zwischen den Touristenmagneten Dades und Todra Schlucht einen einsamen Stellplatz ganz für uns alleine finden, bevor wir uns auf den Rückweg gen Norden machen.

Karte der Strecke


Palmen und Wasser –
ganz ungewohnt

Als wir Foum Zguid verlassen, braut sich mal wieder ein Sandsturm zusammen und die Luft ist ganz gelb und diesig. Für uns geht es durch den Antiatlas mit seinen beeindruckenden Bergformationen, auch wenn sie etwas in Staub gehüllt sind. Ziel ist Ouarzazate, Sitz vieler großer Filmproduktionsfilmen und Location bekannter Filme wie „Lawrence of Arabia“ oder „The Man Who Would Be King“, außerdem Betreiber einer riesigen Solarstation und auch „Das Tor zur Wüste“ genannt.

Und es gibt hier einen Carrefour Supermarkt, auf dem unser Hauptinteresse liegt. Zwar wird hier während Ramadan kein Alkohol verkauft (wie sonst), aber es gibt so wichtige Dinge wie Hundeleckerli für TomTom und verschiedene Käseprodukte für uns. Aber wir probieren dieses Mal auch die hiesigen alkoholfreien Sekt- und Wein-Varianten aus, wobei sich der Sekt als wirklich hervorragend erweist – genau wie das alkoholfreie Estrella-Bier aus Spanien 😉

Mit vollem Kühlschrank rollen wir zu einem kleinen Bivouac Camp am Stadtrand inmitten einer großen Palmeraie. Zum Empfang gibt es den üblichen Tee und hier sogar mal Ausfüllen eines richtigen Anmeldeformulars – und auch hier ist ein Pool in Bau. Wirklich der Wahnsinn, dass in dieser an Wasser knappen Region alle Swimmingpools bauen, um im Kampf um die Touristen konkurrenzfähig zu bleiben – und ich mich wirklich frage, mit was für Erwartungen viele Besucher offenbar hierher kommen…

Nun denn, wir erfreuen uns einfach nur am Wasser, das durch die Kanäle der Palmeraie fließt und dem unglaublich satten Grün hier. Nachdem in den letzten Wochen Gelbtöne unsere vorherrschende Farbwelt waren, ist das jetzt wirklich ein krasser Wechsel. Wir halten es hier aber nur zwei Nächte aus, da die Gegend voll mit umherstreifenden Rüden ist und auch einer der Mitarbeiter einen mitten in der Pubertät befindlichen Malinois-Rüden besitzt, ihn aber leider nur unzureichend unter Kontrolle hat. Nach zwei Kollisionen reicht es uns, denn unser Senior ist mit seinen 14 Jahren zwar zunehmend klapprig, das hält ihn aber nicht davon ab, zu denken, dass er all diesen Rüden nach wie vor über ist…

Was für ein Hundeleben
am Stausee!

Uns zieht es zum rund 20 Kilometer entfernt von Ouarzazate liegenden Stausee, dem Barrage El Mansour Eddahbi. Der See erstreckt sich über eine riesige Fläche, aber an den Ufer-Markierungen kann man sehen, dass der Wasserlevel wohl ursprünglich bestimmt 6-7 Meter höher war als jetzt. Von einem Plateau führen diverse Pisten runter ans Seeufer – und dort suchen wir uns einen Platz mit tollem Rundblick.

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Wir bleiben nicht lange allein, einer junger Hund ist uns von oben runter an den See gefolgt und schaut jetzt mal, wer wir so sind. Er sieht aus wie ein Schäferhund- oder Malinois-Mix und hat ein unglaublich putziges Gesicht – vor allem, weil er ein Stehohr und ein Schlappohr hat. Ich taufe ihn spontan Floppy. Es ist klar, dass er gerne was zu Fressen hätte, was er natürlich auch bekommt (während TomTom das ganze etwas misstrauisch von innen beäugt). Später tauchen noch drei weitere Hunde auf, aber alle sehr friedlich, auch als wir TomTom rauslassen.

Im Endeffekt bleiben wir eine ganze Woche hier am See stehen und Floppy schaut jeden Tag vorbei, wenn er nicht gleich den ganzen Tag und teilweise auch die Nacht bei uns am Lkw verbringt. Manchmal kommen auch seine jüngeren Geschwister – ich habe sie nach ihrer Fellmaserung Blacky und Goldie genannt – mit und ab und zu auch die Mama. Grundsätzlich machen alle einen ziemlich guten Eindruck, vor allem an dem sonstigen Straßenhund-Elend gemessen, das man hier in Marokko vor allem in den größeren Städten sieht. Sie zeigen keinerlei Anzeichen von Krankheit, Verletzungen oder Parasitenbefall, die beiden Kleinen könnten lediglich etwas mehr auf den Rippen vertragen. Ich tue mein Bestes und zwacke so viel wie möglich von TomToms Futter ab und koche zusätzlich noch Reis und Nudeln – es wird alles verschlungen.

TomTom findet das Ganze so semi gut, er duldet die Hunde zwar draußen um den Truck, aber wenn er sie zu aufdringlich oder nervig findet, werden sie angeranzt und eingenordet. Dabei ist Floppy ein wirklich verträglicher Charakter und vor allem sehr intelligent. Er lernt schnell und verhält sich im Rudel sehr smart – genießt aber auch sichtlich seine Freiheit. So wird auch den weiter oben oder am anderen Ende des Sees stehenden Vans regelmäßig ein Besuch abgestattet und auch dort fleißig was abgestaubt.

Hätten wir TomTom nicht, wären wir vielleicht tatsächlich in die Versuchung gekommen, Floppy mitzunehmen – aber es war von Anfang an klar, dass TomTom ihn niemals im Truck dulden würde (hier durften immer schon nur Hündinnen rein). Und vor allem braucht unser Senior mit seiner zunehmenden Immobilität viel Aufmerksamkeit und kämpft immer wieder mit kleinen Zipperlein – da könnten wir nicht noch einen agilen Junghund in angehender Pubertät dazu gebrauchen. Denn dann würden wir am Ende keinem von Beiden gerecht werden, und das wäre vor allem TomTom in seiner letzten Lebensphase gegenüber extrem unfair.

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So versuchen wir, den Hunden einfach eine schöne Zeit zu machen, solange wir da sind – und genießen natürlich auch selber den wunderbaren Seeblick, die tollen Sonnenuntergänge und das sonstige Tierleben mit Wasservögeln, Schildkröten und Mosquitos. Ok, letztere genießen wir nicht, sondern tun unsere Bestes, um sie außerhalb des Trucks zu halten – aber die Mückengitter sind jeden Abend dick voll von außen und es ist ein riesiges Gesummsel.

Ab in den Hohen Atlas

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Aber irgendwann ist es dann Zeit, sich schweren Herzens von Floppy und Familie zu verabschieden und sich weiter gen Norden zu bewegen, denn wir haben maximal noch knapp drei Wochen nach, bis unser Visum ausläuft. Es gibt noch eine letzte große Abschiedsmahlzeit für die Fellnasen und dann rollen wir davon. Die Route führt uns zwischen Antiatlas und Hohen Atlas längs – und es braut sich mal wieder ein kräftiger Sandsturm zusammen. Wir kommen durch viele, trotz des Sturmes ziemlich belebte, Ortschaften, haben aber beschlossen, die beiden typischen Touri-Magneten Dades und Todra Schlucht zu meiden. Stattdessen schauen wir uns zwischen diesen beiden Orten nach einem ruhigen Plätzchen um. Wir folgen dazu erst einer sich weiter in den Atlas reinschlängelden kleinen Straße und biegen dann auf ein Pistennetz ab. Auf einer hügeligen Ebene zwischen zwei großen Gebirgsketten werden wir fündig – und nach einmal umparken finden wir sogar in dieser entlegenen Ecke einen Punkt mit Internet-Empfang.

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Aber viel entscheidender ist der großartige 360-Grad-Blick, den wir hier haben. Auch wenn alles in Staubdunst aus der Sahara eingehüllt ist, sind die vielfältigen Bergformationen mit ihren unterschiedlichen Farbschattierungen gut zu erkennen: Die Palette geht von rötlichen Tönen über ockerfarben bis hin zu schwarz. Trotz seiner 14,5 Tonnen wirkt Fred in dieser Landschaft einfach nur winzig und wir können uns gar nicht satt sehen.

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In den kommenden Tagen mache ich diverse Foto-Safaris und fühle mich dabei ein bisschen wie auf dem Mars, denn durch die Sand- und Staubpartikel aus der Wüste herrscht über Tage eine gelbliche Lichtstimmung und – abgesehen vom Wind – gibt es keinerlei Geräusche. Wirklich surreal und unglaublich berührend. Und mit jedem erklommenen Hügel verändert sich die Blickperspektive, wobei trotzdem nur annähernd deutlich wird, wie weit sich der Hohe Atlas rund um uns erstreckt.

Und nach ein paar Tagen haben wir Glück und die Sonne kommt raus, was der Szenerie plötzlich eine ganz andere Stimmung verpasst. Die über die Gebirgszüge ziehenden Wolken werfen faszinierende Schatten und die Farben der Landschaft leuchten noch stärker.

Auf Richtung Norden

Aber langsam neigt sich unsere Zeit in Marokko nun wirklich dem Ende zu und wir machen uns auf den Rückweg gen Norden, da wir mit unserem Hundesenior ja auch nicht so große Etappen auf einmal machen wollen. Erster Zwischenstopp ist Errachidia, wo wir uns im örtlichen Marjane nochmal mit ein paar leckeren Sachen eindecken und auf dem Camping – mit lauter Olivenbäumen, wie in Portugal – eine heiße Dusche genießen. Und für TomTom findet sich ganz in der Nähe ein kleiner Park, wo er endlich mal wieder richtig viele Bäume zum Anpieseln hat.

Weiter geht’s die schon bekannte Route über Midelt durch den Atlas, nur dieses Mal aus der anderen Richtung, wodurch sich die Ausblicke noch mal ändern und fast noch schöner sind als aus dem Norden kommend. Übernachten tun wir wieder irgendwo im nirgendwo in der Nähe von Midelt, mit einem wirklich fantastischen Sonnenuntergang. Angesichts der schlechten Wetterprognose für die kommenden Tage machen wir uns aber direkt am nächsten Morgen an den letzten Abschnitt der Atlas-Querung. Auf den Pässen über 2.000 Meter liegen überall Schneereste – kein Wunder, schließlich gab es hier vor ein paar Tagen noch einen richtigen Wintereinbruch. Hatten wir den Tag vorher noch schönen blauen Himmel, herrschen nun Regen, Graupelschauer und Nebel. Quasi vom Sommer in den Winter!

Unser Ziel für das bevorstehende Osterwochenende ist das Weingut vom Hinweg – nicht nur wegen des leckeren Weins, sondern vor allem, weil wir Wafae und Jalil noch mal besuchen wollen! Die beiden freuen sich auch sehr, uns wiederzusehen und wir finden uns im Handumdrehen in einer Weinprobe wieder. Was für ein schöner Auftakt für die Ostertage! Da wissen wir noch nicht, was für eine aufreibende letzte Woche in Marokko uns im kommenden Monat noch bevorsteht…

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